
Ahlam D. wurde getötet, ihre Leiche in einen Sickerschacht geworfenFoto: Joerg Voelkerling
Memmingen – Sie liebte den extravaganten Auftritt, kleidete sich gern freizügig und westlich-modern: War dies das Todes-Urteil für Ahlam D. (†35) aus Memmingen?
Prozess-Auftakt in einem bizarren Fall von „Ehrenmord“ im beschaulichen Allgäu: Die beiden Brüder Elias S. (51) und Salim S. (61) sollen die christliche Syrerin mit Kabelbinder erdrosselt und im Sickerschacht einer Festhalle versenkt haben, weil sie mit ihrer Scheidungsabsicht die Familienehre beschmutzt und das Clan-Vermögen bedroht haben soll.

Ehemann Elias S. hat die Tat gestandenFoto: Joerg Voelkerling

Schweigt zu den Vorwürfen: Salim S. Foto: Joerg Voelkerling
▶︎ Nach einem heftigen Streit mit ihrem Mann Elias war die dreifache Mutter Ahlam D. am 23. August 2017 auf einmal wie vom Erdboden verschluckt. Erst zwei Monate später wurde ihre Leiche unter sechs Tonnen Waschsand begraben in Memmingerberg geborgen.
Die Verdächtigen waren schnell ausgemacht: Erst im Juli hatte Ahlam D. ihren Mann wegen häuslicher Gewalt angezeigt und ein Kontaktverbot erwirkt. Nach 17 Jahren war die Ehe laut Staatsanwalt Thomas Hörmann zerrüttet, Ahlam D. hatte sich einem neuen Mann zugewandt. Elias S. soll vor diesem Hintergrund Unterhaltszahlungen für die Kinder und Alimente für die Frau gefürchtet haben. „Salim S. sah durch die Scheidungsabsichten das Familienvermögen gefährdet“, sagte der Ankläger.
Am 23. August habe er sie zu einer Aussprache eingeladen: „Ich wollte mich versöhnen.“ Weil ihm die lautstarken Vorwürfe seiner Frau peinlich gewesen seien, sei er mit ihr in die verlassene Festhalle Memmingerberg gefahren, neben der sein Bruder eine Autowerkstatt betrieb. Dort sei es erneut zu Handgreiflichkeiten gekommen, sie sei zu Boden gegangen. Er habe einen herumliegenden Kabelbinder genommen und ihr um den Hals gelegt. „Mein Hauptziel war es, sie zum Schweigen zu bringen.“ Er habe zugezogen, bis Blut aus ihrem Mund quoll.

Die Traueranzeige für Ahlam D.
Doch laut Anklage lockten die beiden Bürder die arg- und wehrlose Frau gemeinsam bewusst in einen Hinterhalt, wickelten sie nach dem Mord in eine Plastikfolie und versenkten sie in einer Grube. Familienoberhaupt Salim S. schwieg dazu am Montag, sein jüngerer Bruder sagte nur: „Ich bat ihn, er solle eine Lkw-Ladung Sand bestellen und in den Sickerschacht gießen. Er sollte keine Fragen stellen, ich gehe aber davon aus, dass er wusste, dass ich meine Frau getötet hatte.“
Das Urteil in dem aufwändigen Indizienprozess soll erst nach 24 Verhandlungstagen am 21. Dezember fallen.
