Nov 15

Kein Bargeld für ausreiseunwillige Flüchtlinge

Ein Berechtigungsschein über maximal 20 Euro. In Lüchow wird seit einigen Wochen an Ausreise-Verweigerer kein Bargeld mehr ausgezahlt. © Flüchtlingsrat Niedersachsen e.V. Foto: Flüchtlingsrat Niedersachsen e.V.

Der Landkreis Lüchow-Dannenberg verweigert mindestens fünf Flüchtlingen Geldleistungen. Der Grund: Die Betroffenen haben sich einer Überstellung in ein sicheres EU-Land entweder widersetzt oder entzogen. Statt Bargeld erhalten die Flüchtlinge nun Gutscheine für Lebensmittel und Hygieneartikel. Harsche Kritik an dieser Praxis kommt vom Flüchtlingsrat Niedersachsen. Die längst überwunden geglaubte Gutscheinpraxis sei menschenunwürdig und rechtswidrig.

„Da besteht kein Spielraum für die Verwaltung“

Die Verwaltung im Landkreis Lüchow-Dannenberg beruft sich auf das Asylbewerberleistungsgesetz, wonach in den vorliegenden Fällen nur noch Sachleistungen zu gewähren seien. Sei dies mit zu hohem Verwaltungsaufwand verbunden, so betrachte man auch Gutscheine als legitim, argumentiert man in Lüchow. „Da besteht kein Spielraum für die Verwaltung als ausführendes Organ“, sagte Kreissprecher David Leu NDR 1 Niedersachsen. Auch künftig werde der Landkreis an Ausreise-Verweigerer nur noch Gutscheine ausgeben. Man zahle diesem Personenkreis auch kein Taschengeld mehr.

Der Flüchtlingsrat in Niedersachsen ist empört

Der Flüchtlingsrat in Niedersachsen spricht von sieben betroffenen Flüchtlingen und kritisiert die Maßnahmen heftig. Die Gutscheinpraxis sei aus gutem Grund seit 2013 in Niedersachsen unüblich. Gutscheine statt Geld – für Kai Weber, Geschäftsführer des Flüchtlingsrats, ist das diskriminierend. „Jeder Mensch muss zumindest ein Taschengeld erhalten“, so Weber. Darüber hinaus halte man das Vorgehen der Behörden in Lüchow für rechtswidrig und auch mit Blick auf den Datenschutz für nicht zulässig.

Das Innenministerium will einen Bericht anfordern

Der Flüchtlingsrat hat das niedersächsische Innenministerium aufgefordert, von dessen Weisungsrecht Gebrauch zu machen. Das Ministerium hat am Donnerstag auf Anfrage des NDR mitgeteilt, vom Landkreis Lüchow-Dannenberg einen Bericht zum Umgang mit ausreisepflichtigen Flüchtlingen anfordern zu wollen. Unterdessen ergaben stichprobenartige NDR-Recherchen, dass in anderen Landkreisen in Niedersachsen Gutscheine weiterhin tabu sind – auch bei Ausreise-Verweigerern. Die Kreise Harburg und Lüneburg ließen mitteilen, es gebe rechtliche Bedenken.

Quelle: ndr

Nov 15

Erfurter Anger: Kriminalität steigt, Menschen fühlen sich laut Umfrage unsicher

Im Bereich am neuen Angerbrunnen kommt es immer wieder zu Polizeieinsätzen. Foto: Marco Schmidt

Rund die Hälfte der befragten Erfurter gab bei einer Umfrage an, sich auf dem Anger und am Bahnhof nicht sicher zu fühlen.

Erfurt. Der Anger spaltet. Er gehört zu den „kriminogenen Orten“ Erfurts. Verstärkt ist die Polizei dort unterwegs. Insgesamt kam es im vergangenen Jahr zu 1353 Anzeigen, die Anzahl von Körperverletzungen, Sexualdelikten, Drogendelikten sowie Beleidigung und Sachbeschädigung ist stark gestiegen. Im Bereich der Betäubungsmitteldelikte stieg die Zahl um mehr als 100 Prozent – was durch die erhöhte Präsenz der Polizei und der durchgeführten Kontrollen zu erklären ist.

Geht es nach dem Empfinden der Bürger, so stufen diese den Anger ebenso als nicht sicher ein. Das zumindest sagten 46 Prozent der Befragten in der Wohnungs- und Haushaltserhebung 2018. Diese stellte Ordnungsdezernent Steffen Linnert (SPD) im Ausschuss für öffentliche Ordnung, Sicherheit und Ortsteile vor.

„Die Daten sind die gefühlte Sicherheit, nicht die tatsächliche“, betonte er. Wie die Realität mit Blick auf die Kriminalität aussieht, darüber referierte anschließend Maik Haselow, stellvertretender Leiter der Landespolizeiinspektion Erfurt.

Auf die Frage: „Gibt es in Erfurt Orte, an denen Sie sich derzeit besonders unsicher fühlen?“ nannte fast die Hälfte der Befragten also den Anger und den Hauptbahnhof. Im Gegenzug jedoch nannten 14 Prozent ebenso den Anger – und zwar auf die Frage „Gibt es in Erfurt Orte, an denen Sie sich derzeit besonders sicher fühlen?“ Hier waren Domplatz, Petersberg, Fischmarkt auf Rang 1.

Der Fragebogen war von 1406 Erfurtern im Alter von 18 bis 83 Jahren beantwortet worden. Unterschieden wurde, wo die Menschen leben: städtisch, im Plattenbau und oder dörflich. „Ältere Erfurter fühlen sich unsicherer als die Jüngeren“, sagte Steffen Linnert. „In den Plattenbaugebieten wohnen verstärkt Ältere. Doch auch in den dörflichen Ortsteilen fühlen sich Ältere unsicherer als Jüngere.“ Blickt man indes auf die Statistik, zeigen die Zahlen, dass in Gebieten wie Moskauer Platz, Herrenberg oder Roter Berg der Anteil an Einbrüchen verglichen mit der Altstadt eher gering ist. Die Magdeburger Allee, die wie der Anger zu den „kriminogenen“ Orten Erfurts zählt, wurde in der Erhebung von lediglich 2,3 Prozent als unsicher eingestuft. Laut Polizeistatistik stieg dort allerdings die Zahl der Kapitaldelikte in 2017 um 36,6 Prozent an, die Diebstahlsdelikte um 11 Prozent auf 112.

Eine gute Straßenbeleuchtung und Sauberkeit im öffentlichen Raum könnten nach Meinung der Befragten das Sicherheitsgefühl in der Wohngegend erhöhen. „Wenn sich die Menschen unwohl fühlen, vielleicht das Haus nicht mehr verlassen, müssen wir als Politik handeln, auch wenn es ‚nur‘ Empfindungen sind. So können wir beim Thema Beleuchtung handeln“, meinte Steffen Linnert.

„Angst kann behindernd sein, Gesellschaften, die von Angst geprägt werden, stagnieren, entwickeln sich nicht mehr fort. Hier ist es Aufgabe der Politik, Gefahren nicht zu verschweigen, aber zu schauen, wie man das negative Gefühl überwinden kann.“

Guten Morgen

Quelle: Thüringer Allgemeine

Nov 15

Mittelmeer: Dutzende Migranten wollen nicht zurück nach Libyen

Migranten sitzen an Bord des Containerschiffes Nivin. Die Migranten weigern sich, das Schiff zu verlassen. Insgesamt 91 Migranten, darunter ein Baby, wurden am vergangenen Wochenende von der Schiffsbesatzung gerettet, nachdem sie Libyen mit einem Floß verlassen hatten. © Foto: Uncredited/Passenger on Nivin/AP/dpa

Tripolis (dpa) Mehr als 90 vor der Küste Libyens abgefangene Migranten weigern sich, ein Schiff vor der Küste des Bürgerkriegslandes zu verlassen.

Schon eine Woche zuvor seien die Menschen aus dem Meer gerettet worden, teilte die libysche Küstenwache am Mittwoch mit. Ein Containerschiff habe sie anschließend zur westlibyschen Stadt Misrata gebracht, wo sie sich aber geweigert hätten, an Land zu gehen.

„Als wir die Migranten baten, vom Schiff zu gehen, haben sie sich geweigert und verlangt, nach Italien gebracht zu werden“, sagte ein Mitarbeiter der Küstenwache. Es liefen Verhandlungen mit den insgesamt 94 Menschen, von denen einige bereit seien, an Land zu gehen, aber von anderen Migranten bislang daran gehindert worden seien.

Auf ihrem Weg in Richtung Europa kamen in den vergangen Monaten immer weniger Migranten in Booten in Italien an. Die Regierung in Rom ist für ihren Anti-Migrationskurs bekannt und unterstützt die libysche Küstenwache dabei, möglichst viele Migranten auf hoher See wieder zurück an Land zu bringen.

Quelle: moz

Nov 14

Heimweg Apps gegen Ficki Ficki – Asylanten und andere Verbrecher

Heimweg-App: „Heimwegtelefon“
Quelle: heimwegtelefon.de

Nachts allein unterwegs und dabei ein mulmiges Gefühl? Heimweg-Apps sollen helfen. Sie begleiten den Nutzer auf seinem Nachhauseweg und alarmieren im Notfall Freunde oder Polizei.

Ob nach dem Kino oder einem langen Kneipenabend: Man hat den letzten Bus verpasst und muss sich nun zu Fuß auf den Heimweg machen. Viele Menschen bekommen ein mulmiges Gefühl, wenn der Weg durch eine menschenleere Gegend oder einen dunklen Park führt. Heimweg- und Begleit-Apps sollen ihre Nutzer sicher nach Hause begleiten.

Apps ermitteln automatisch Standort

Wer in eine gefährliche Situation gerät, könnte auch per Smartphone schnell über die Notrufnummer 110 die Polizei alarmieren. Doch oft ist dann jemand gar nicht mehr in der Lage, die 110 zu wählen, die Situation zu schildern und den Standort durchzugeben. Hier setzen die digitalen Schutzengel an.

Den Notfall-Button in den Apps anzutippen, reicht in der Regel aus, um einen Notruf auslösen. Da die Apps per GPS kontinuierlich den Standort ihrer Nutzer ermitteln, erfahren Freunde oder Polizei dann automatisch, wo sich der Nutzer aufhält. Daneben stärken die Apps das subjektive Sicherheitsgefühl. Sie sollen ihren Nutzern das gute Gefühl geben, dass sie auch auf unsicherem Terrain nicht völlig auf sich allein gestellt sind.

Leitstelle organisiert Notfallhilfe

Screenshots der Heimweg-App: "WayGuard"
Heimweg-App: „WayGuard“ Quelle: wayguard.de

Seit zwei Jahren ist die kostenlose Heimweg-App WayGuard auf dem Markt. Sie wurde von einer Versicherung produziert und zusammen mit der Kölner Polizei sowie rund 4.500 Nutzern getestet, bevor sie freigegeben wurde. Die App lässt sich einfach installieren. Sie ermittelt per GPS laufend die Position des Nutzers und sendet sie automatisch an das WayGuard-Team, eine zertifizierte Leitstelle, die im Notfall Hilfe organisiert.

Der Nutzer kann sich zusätzlich auch von einer Person aus seinem Bekanntenkreis begleiten lassen. Diese Person muss die App installiert und sich angemeldet haben. Findet sich gerade kein Begleiter aus dem Bekanntenkreis, kann man sich während des Heimwegs auch mit einer Person des WayGuard-Teams unterhalten. Hat der Nutzer sein Ziel erreicht, gibt er per App Bescheid, und die Begleitung ist beendet.

Nutzer begleiten Nutzer

Screenshot der Heimweg-App: "KommGutHeim"
Heimweg-App: „KommGutHeim“ Quelle: kommgutheim.eu

WayGuard ist nicht die einzige Heimweg- und Begleit-App. Auch KommGutHeim und Vivatar wollen ihren Nutzern virtuell Begleitschutz geben. In ihren kostenlosen Versionen funktionieren beide Apps nach dem Prinzip „Nutzer begleiten Nutzer“. Der eigene Standort wird mit ausgewählten Kontakten geteilt. Die Kontakte werden informiert, wenn man losgeht und sicher zuhause angekommen ist.

Bei Vivatar kann man sich auch von einem professionellen Notfallteam virtuell begleiten lassen. Voraussetzung ist ein kostenpflichtiges Abo, für das monatlich 4,99 Euro zu berappen sind. Das Notfallteam ist rund um die Uhr erreichbar und setzt im Fall der Fälle einen Notruf mit den Standortdaten des Nutzers ab. Bei KommGutHeim gibt es ein solches professionelles Notfallteam auch in der kostenpflichtigen Variante nicht.

App vorher ausprobieren

Die beste Heimweg-App ist nutzlos, wenn man nicht weiß, wie man sie im Ernstfall bedienen muss. Deshalb sollte man nach der Installation sofort alle Funktionen einmal durchspielen. WayGuard bietet beim ersten Start der App automatisch ein kurzes Tutorial an. Der Nutzer lernt, wie er die App bedienen muss und wie er Begleitpersonen auswählt und speichert.

Heimweg-Apps helfen nur dann, wenn eine Ortung per GPS möglich ist. In geschlossenen Räumen wie etwa großen Parkhäusern versagt die Technik. Zudem muss natürlich immer eine Mobilfunkverbindung bestehen. Funklöcher sind für digitale Schutzengel Gift. Die Ortung per GPS führt zu einem höheren Stromverbrauch. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte einen externen Akku, eine sogenannte Power Bank, inklusive Ladekabel mit sich tragen.

Angreifer per Schrillalarm abschrecken

Es muss nicht immer eine App sein, damit man sich auf dem Heimweg sicherer fühlt. Oft reicht schon ein Taschen- oder Schrillalarm, also ein Gerät, das einen schrillen Alarmton erzeugt, der den Angreifer abschrecken soll. Eine weitere Alternative ist das Heimwegtelefon, eine kostenlose Hotline, die mit ehrenamtlichen Mitarbeitern besetzt ist, denen man Start und Ziel sowie zwischendurch immer wieder seine aktuelle Position mitteilt.

Apps können den Heimweg sicherer machen. Eine Alternative zur Notrufnummer 110 seien sie nicht, sagt Joachim Schneider, Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Jeder Angriff sollte der Polizei gemeldet werden. „Idealerweise sollten Sie versuchen, gefährliche Situationen von vornherein zu vermeiden“, so Schneider. Bevor man sich auf den Weg macht, sollte man deshalb eine möglichst sichere Strecke wählen und dafür auch kleine Umwege in Kauf nehmen.

Quelle: zdf (Titel wurde von Redaktion angepassst)

Nov 14

Flüchtling trampelte 26-Jährigen zu Tode

NÖ. Der Prozess in Wr. Neustadt mutete bisweilen skurril an: Der angeklagte Nigerianer Terry A. konnte sich weder an die Tat noch an das Opfer erinnern. Ein Motiv fehlte. Doch laut Anklage soll der 25-Jährige in der Nacht zum 3. Mai trotz Betretungsverbots in das Asylheim in Maria Enzersdorf eingedrungen sein. Dort ging er auf Razib D. (26) los, riss ihn zu Boden und trampelte auf ihn ein. Immer ­wieder trat er ihm gegen Gesicht, Hals und Brust – bis das Opfer tot war.

Zuvor hatte er auf einem Spielplatz Kinder mit einem Meißel bedroht, nach dem Mord verletzte er einen Zellengenossen in der U-Haft schwer. Der Gutachter stufte den an paranoider Schizophrenie erkrankten Angeklagten, der vor Gericht kaum brauchbare Angaben machen konnte, als „extrem gefährlich und hoch aggressiv“ ein. Die Staatsanwaltschaft beantragt die Unterbringung in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Entscheidung kommende Woche, es gilt die Unschuldsvermutung.

Quelle: oe24

Nov 14

Auch Tschechien lehnt den UN-Migrationspakt ab


Tschechien zieht sich offiziell aus dem UN-Migrationspakt zurück. Neben Tschechien haben unter anderem auch Bulgarien, die USA, Österreich, Ungarn und Australien ihre Ablehnung erklärt. Quelle: WELT / Christoph Hipp

Mit Tschechien hat der dritte europäische Staat den UN-Migrationspakt abgelehnt. Ministerpräsident Andrej Babis bezeichnet ihn als gefährlich, weil er Migration als ein grundlegendes Menschenrecht definiere.

Die nächste Absage: Auch Tschechien wird nicht dem UN-Pakt beitreten, der eine internationale Grundlage für sichere und in geordneten Bahnen verlaufende Migration schaffen will. Die Regierung in Prag fasste am Mittwoch diesen Entschluss, nachdem sich Ministerpräsident Andrej Babis vehement gegen das Dokument ausgesprochen hatte.

Babis sagte, der Pakt sei gefährlich, obwohl er nicht rechtlich bindend sei, weil er „faktisch Migration als ein grundlegendes Menschenrecht definiert“. Er verwies darauf, dass auch Österreich, Ungarn, Bulgarien, Australien und die USA dagegen seien. Auch die nationalkonservative Regierung in Polen erwägt nachzuziehen.

Die Minderheitsregierung aus populistischer ANO und sozialdemokratischer CSSD kritisiert, dass der Pakt nicht ausreichend zwischen „legalen und illegalen Migranten“ unterscheide. Babis hatte zudem erklärt, das Übereinkommen gefährde die Sicherheit und nationale Souveränität seines Landes.

Der von den UN-Mitgliedstaaten im Juli beschlossene Migrationspakt soll bei einem Gipfeltreffen im Dezember in Marrakesch angenommen werden. Das rechtlich nicht bindende Dokument soll Standards im Umgang mit Migranten und Flüchtlingen festschreiben und helfen, Flucht und Migration besser zu organisieren.

Tschechien gehört auch zu den EU-Mitgliedern, die sich gegen einen von Brüssel vorgeschlagenen Plan zur Verteilung von Asylbewerbern in der Union gestemmt haben.

Eine Umfrage des Instituts CVVM vom Oktober ergab, dass 68 Prozent der Tschechen die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen in Tschechien ablehnten. Das war ein Anstieg zum zehn Prozentpunkte gegenüber einer gleichlautenden Umfrage vom April. Nur 24 Prozent der Befragten sprachen sich für eine vorübergehende Aufnahme solcher Schutzsuchender aus, rund zwei Prozent für eine dauerhafte. Befragt wurden 1023 Menschen im Zeitraum vom 13. bis 26. Oktober.

Quelle: welt

 

Nov 14

Hambacher Forst: Hand in Hand mit Extremisten?

Aktivisten protestieren gegen die Rodung des Hambacher Forsts
Quelle: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Ein großes Bündnis von Demonstranten hat gegen die Rodung des Hambacher Forsts demonstriert. Nun kritisieren Innenministerium und Verfassungsschutz, dass sich bürgerliche Protestgruppen von Linksextremen vereinnahmen ließen.

Groß war die Empörung, als Polizisten im Hambacher Forst mit Fäkalien beworfen wurden. Ähnlich stark empörte die Polizisten aber noch etwas anderes in diesem Einsatz: Nach den Fäkalienattacken versuchten sie, die Täter zu fassen. Doch andere, offenbar gewaltfreie Demonstranten stellten sich in den Weg – und hinderten sie daran.

Dieses scheinbar friedliche Umfeld linksextremer Krimineller störte die Arbeit der Polizei immer wieder, während sie die illegale Besetzung des Waldes zu beenden suchte. Mal tauchten Steinewerfer in einer Gruppe Hunderter Protestierer ab. Mal „versammelten sich Hunderte Demonstranten aus dem demokratischen Spektrum hinter dem Plakat ‚System Change, not Climate Change‘“, wie NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) vergangene Woche auf einer Konferenz seines Hauses klagte.

Auf diesem Treffen zum Thema Linksextremismus mühten sich zahlreiche Sicherheitsexperten um Lehren aus den Gewaltexzessen von Hambach. Vor allem kritisierten sie dabei das Umfeld von Linksextremen, das die Grenzen zwischen legal und illegal systematisch aufweiche, indem es Straftäter dulde und decke. Darin sehen die Fachleute einen, wenn nicht den zentralen Grund für das Erstarken linksextremer Gewalt in Hambach, NRW und Deutschland.

Linksmotivierte Straftaten nehmen zu

Ein solches Erstarken lässt sich in der Tat als Langzeittrend der Kriminalstatistik entnehmen. So zählte der Verfassungsschutz 2017 in NRW 1374 linksmotivierte Straftaten, davon 191 Gewalttaten. Zehn Jahre zuvor waren es 649 Straftaten, davon 133 Gewaltdelikte. Für 2018 dürften die Zahlen erneut steigen, verkündete NRW-Verfassungsschutzchef Burkhard Freier. Schließlich wurden allein während der Räumung des Waldes 193 Straftaten angezeigt.

Unter anderem wurden Polizisten mit Pyrotechnik, Molotow-Cocktails, Steinen, Zwillengeschossen, Urin und Fäkalien attackiert. Zudem wird die linksextreme Szene laut Freier auch immer enthemmter, organisierter und vernetzter. Das belegten unter anderem die Kurse für Aktivisten, die von Autonomen im Hambacher Wald angeboten wurden. Dort unterrichteten sie Teilnehmer in Stockkampf-Techniken, in „offensivem Umgang mit Polizisten“ und über Wege, die eigene Identität (konkret: den Fingerabdruck) zu verheimlichen, etwa durch Abkleben der Fingerkuppen.

Was Reul aber besonders besorgte, war der erfolgreiche Versuch Linksextremer, „den demokratischen Protest in Teilen zu instrumentalisieren“ und „zivilgesellschaftliche Strukturen zunehmend zu beeinflussen“. Damit zielte er vor allem auf das Aktionsbündnis „Ende Gelände“, das Tausende Protestierer mobilisierte. Zu dessen Mitgliedern zählten auch Grünen-Politiker und der Bundesverband der Grünen Jugend.

Massiv beeinflusst wird das Aktionsbündnis laut Verfassungsschutz aber von der linksextremen Gruppe „Interventionistische Linke“ (IL). Der gehören zwar bundesweit nur 900 und landesweit knapp 200 Personen an. Durch ihren starken Einfluss auf „Ende Gelände“ können die Extremisten aber weit über ihren Kreis hinaus auf Unterstützer zählen. Tatsächlich lobte die Grüne Jugend zahlreiche rechtswidrige Besetzungsaktionen von „Ende Gelände“ und nahm auch selbst daran teil. Sie forderte sogar Solidarität mit von der Polizei ergriffenen Rechtsbrechern. Auf ihrer Website verkündeten die jungen Grünen, „im Falle einer Anklage der Klimaaktivist_innen“ brauche „das Bündnis Geld, um die Aktivist_innen bei den Anklagen finanziell unterstützen zu können. Wir fordern deswegen alle [auf], jetzt schon zu spenden.“

„Unfair und unredlich“

An dieser fehlenden inhaltlichen Distanzierung demokratischer Protestierer von den Extremisten rieben sich viele Experten auf der Konferenz. Dadurch sei in Hambach eine Atmosphäre entstanden, in der gemeinsames Handeln von Demokraten und radikalen Straftätern völlig legitim erschien. Das habe dazu geführt, dass die vielen Demokraten sich auch räumlich nicht von den wenigen Extremisten distanzierten. Und dies wiederum habe zur Folge gehabt, dass zahlreiche Gewaltdelikte begangen und nicht aufgeklärt werden konnten.

Viele Grüne empörten sich über solche Mahnungen. So schimpfte der grüne Landesvorstand Jan-Niclas Gesenhues, es sei „unfair und unredlich, die vielen friedlichen Demonstranten in eine extremistische Ecke zu stellen“. Zumal Spitzenvertreter der NRW-Grünen wie Monika Düker öffentlich stets jede Form der Gewalt verurteilt hatten.

Unstrittig ist aber: Die Demokraten in den Reihen von „Ende Gelände“ hätten wissen müssen, mit wem sie da paktieren. Schließlich ist die IL offiziell und für jeden recherchierbar Mitglied des Aktionsbündnisses „Ende Gelände“. Dutzende öffentliche Zitate von IL-Propagandisten sind bekannt, in denen sie sich zu militant-verfassungsfeindlichen Zielen bekennen. Mal prophezeien sie einen „letzten Kampf“ mit der Polizei, in dem es zum „finalen KO dieses Staates kommen“ werde. Mal gesteht die IL, sie hätte „nie gewaltfrei“ sein wollen und natürlich seien die Besetzer im Wald „anarchistisch“ geprägt. Regelmäßig bekennen sich die IL-Aktivisten auch dazu, in Hambach keineswegs nur fürs Klima, sondern auch gegen Kapitalismus, Staat und System zu kämpfen. Doch ihre demokratischen Unterstützer ließen sich davon nicht beirren.

Ein neuer Gewaltbegriff

All dies bewegte den Politikwissenschaftler Hans-Gerd Jaschke auf der Konferenz dazu, den gängigen Gewaltbegriff zu hinterfragen. Er regte an, künftig „auch die Duldung von und die Sympathie für Gewalttaten als Dimensionen der Gewalt“ zu bezeichnen. Auch Sicherheitskräfte sollten dieses gewaltfördernde Umfeld gründlicher erfassen als bisher.

In die Praxis lässt sich dies jedoch nicht so leicht umsetzen, wandten Polizeivertreter ein. Immerhin muss man einer Gruppe friedlicher Demonstranten erst nachweisen, dass sie wussten, wen sie in ihrer Gruppe untertauchen ließen. Und so begnügten sich viele Fachleute mit der bescheideneren Forderung, man müsse zumindest ein Bewusstsein schaffen für die Gefahr, die vom demokratischen Umfeld der Linksextremen ausgehe. Im Innenministerium hofft man, vielleicht werde eines Tages ja die stille Kameraderie mit jeder Form von Extremismus öffentlich geächtet.

Quelle: welt

Nov 13

Abfuhr für Brüssel: Italien bleibt stur und ändert seine Schuldenpläne nicht

Vize-Premier Di Maio in Rom: „Das ist das, was das Land braucht.“ (Quelle: Andrew Medichini/AP/dpa)

Die Regierung in Rom hat fristgerecht auf das Ultimatum aus Brüssel geantwortet – und wie. Italien weigert sich, an seinen Schuldenplänen irgendetwas zu ändern. Jetzt drohen Sanktionen.

Italien weigert sich im Haushaltsstreit mit der EU einzulenken und geht auf Kollisionskurs mit Brüssel. Trotz Protesten und Warnungen der EU-Kommission und aus dem Ausland will die populistische Regierung an ihren umstrittenen Schuldenplänen festhalten. Die Haushaltspläne für das kommende Jahr änderten sich nicht, erklärte der Vize-Premierminister Luigi Di Maio am Dienstag nach einer Kabinettssitzung. „Es ist unsere Überzeugung, dass dieser Haushalt das ist, was das Land braucht, um wieder auf die Beine zu kommen.“

Die Kommission hatte den Budgetentwurf aus Rom in einem historisch einmaligen Schritt vor drei Wochen abgelehnt und bis Dienstag eine Überarbeitung gefordert. Um Mitternacht lief die Frist für eine Antwort aus Rom aus. Die Finanzmärkte reagieren seit Wochen nervös auf die Unsicherheit in Italien.

Jetzt drohen Rom Sanktionen

Das Land steuert nun auf ein Defizitverfahren zu, das die Kommission bald einleiten könnte. Dabei könnten die EU-Partner Italien mehr Haushaltsdisziplin verordnen. Verstößt Rom auch gegen diese Vorgaben, dürften die Finanzminister theoretisch finanzielle Sanktionen verhängen. Kommt es soweit, könnten die Europa-Skeptiker in der Regierung die Stimmung gegen die EU weiter anheizen.

Die Euro-Finanzminister hatten sich zuletzt hinter die Einschätzung der Kommission gestellt, dass Italien seinen Kurs ändern muss. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel kritisierte nationale Alleingänge bei der Aufnahme von Schulden. Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte Italien vor negativen Auswirkungen der Haushaltspläne.

Die Koalition aus populistischer Fünf-Sterne-Bewegung und rechter Lega peilt im kommenden Jahr eine Neuverschuldung von 2,4 Prozent der Wirtschaftsleistung an. Man wolle dafür einstehen, dass dieser Wert eingehalten wird, sagte Di Maio.

Regierung will teure Wahlversprechen umsetzen

Da die drittgrößte Volkswirtschaft in der Eurozone aber schon jetzt haushoch verschuldet ist, stemmt sich die EU gegen die Pläne. Sie sieht in dem Entwurf einen beispiellosen Verstoß gegen die Euro-Stabilitätsregeln. Diese verpflichten Italien, wegen seiner hohen Schuldenquote seine Gesamtverschuldung in den Griff zu bekommen. Die Koalition will aber teure Wahlversprechen finanzieren – beispielsweise eine Grundsicherung nach dem Vorbild von Hartz IV. Es bleibe bei all diesen Maßnahmen, sagte Di Maio.

„Wir arbeiten an einem Haushalt, der mehr Arbeitsplätze schafft, mehr Recht auf Renten und weniger Steuern, nicht für alle aber für viele. Wenn das Europa gefällt, sind wir zufrieden, wenn nicht, gehen wir unseren Weg dennoch weiter“, sagte der Innenminister und zweite Vize-Premier Matteo Salvini vor der Kabinettssitzung. Zuvor hatte Di Maio gesagt, die europäischen Regeln einzuhalten, käme einem „selbstmörderischen Haushalt“ gleich, der uns in die Rezession führen würde“.

Doch nicht nur die Finanzmärkte überzeugen Roms Pläne nicht. Auch der IWF stellte Italien ein schlechtes Zeugnis aus. „Das reale persönliche Einkommen ist auf dem Niveau von vor zwei Jahrzehnten, die Arbeitslosigkeit liegt im Berichtszeitraum um die zehn Prozent, und die Lebensbedingungen für Menschen mittleren Alters und der jüngeren Generation sind erodiert“, heißt es im turnusmäßigen Bericht des Weltwährungsfonds. Der Wegzug von Italienern in andere Länder sei auf einem Fünf-Jahres-Hoch. Der IWF geht davon aus, dass die Neuverschuldung bei 2,66 Prozent im Jahr 2019 liegen und bei 2,8 bis 2,9 Prozent in den Jahren 2020 und 2012.

Merkel: Italien stellt Stabilität des Euroraumes in Frage

„Wer darauf setzt, Probleme alleine durch neue Schulden zu lösen und eingegangene Verpflichtungen missachtet, der stellt die Grundlagen für die Stärke und die Stabilität des Euroraumes in Frage“, sagte Merkel in einer Rede zur Zukunft Europas im EU-Parlament in Straßburg. „Denn unsere gemeinsame Währung kann nur funktionieren, wenn jedes einzelne Mitglied seine Verantwortung für tragfähige Finanzen auch zu Hause erfüllt.“ Sie habe die „inständige Hoffnung“, dass im Gespräch mit der EU-Kommission eine Lösung gefunden werde.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz erinnerte Italien an seine Verantwortung. Die Wirklichkeit könne sich niemand „wegreden“, sagte der SPD-Politiker beim „Wirtschaftsgipfel“ der „Süddeutschen Zeitung“ in Berlin mit Blick auf die hohe Staatsverschuldung des Landes. Er sei sich sicher, dass die Regierung in Rom wisse, dass die Haushaltsspielräume nicht besonders groß seien.

Der gesunde Menschenverstand müsse stärker sein als irgendwelche Launen, warnte der Präsident des Europaparlaments, Antonio Tajani. Die „Arroganz“ führe dazu, dass eine Haltung verteidigt werde, die „wirtschaftlich unhaltbar“ sei. Rom riskiere „enorme Schäden für die Italiener in den kommenden Jahren“, sagte der Italiener weiter.

Quelle: t-online

Nov 13

Italien: Salvini lässt Migrantencamp in Rom räumen

Migranten im Camp Baobab (Archivaufnahme)

Rechtsfreie Räume würden „nicht mehr toleriert“, erklärte der rechtspopulistische Innenminister Salvini: In Rom ist eines der bekanntesten Migrantencamps der Stadt entfernt worden.

Rund 200 Menschen lebten im Camp der Hilfsorganisation Baobab Experience, darunter auch Obdachlose und Roma. Jetzt haben sie keine Bleibe mehr. Denn das Lager in Rom, eines der bekanntesten in der italienischen Hauptstadt, wurde geräumt.

„Die sozialen Probleme löst man in Rom so: Mit der Polizei und dem Bagger“, twitterte die NGO. „Eine unendliche Schande für diese Stadt.“

Rechtsfreie Räume würden „nicht mehr toleriert“, erklärte dagegen der rechtspopulistische Innenminister Matteo Salvini. Die Zeltstadt hinter dem Bahnhof Tiburtina wurde in der Vergangenheit bereits mehrmals geräumt. Im Oktober hatte Salvini behauptet, dass es eine Vergewaltigung in dem Camp gegeben habe.

Viele Migranten müssen in Italiens Hauptstadt in Parks oder auf der Straße schlafen, weil es keine Unterbringung für sie gibt.

Am vergangenen Wochenende hatten Tausende Menschen in Rom gegen die Einwanderungspolitik der italienischen Regierung demonstriert. Mit Plakaten wie „Black Lives Matter“ und „Willkommen für alle“ marschierten Anhänger linker Organisationen und Rassismusgegner am Samstag durch die italienische Hauptstadt. Nach Angaben der Organisatoren reisten die Teilnehmer aus rund 50 Städten des Landes an, um gegen eine drastische Verschärfung des Asylrechts zu protestieren.

Der Senat hatte zuvor ein Dekret verabschiedet, das die Ausweisung von Migranten erleichtert und aus humanitären Gründen erteilte Aufenthaltsgenehmigungen praktisch abschafft. Auch die Verteilung und Unterbringung von Asylbewerbern will die Regierung neu regeln. Die meisten sollen künftig in großen Auffangzentren untergebracht werden.

Das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hatte sich besorgt über die geplanten Änderungen geäußert. Diese böten keine „angemessenen Garantien“, insbesondere für Menschen, die besonderer Fürsorge bedürften, etwa Opfer von Vergewaltigung oder Folter.

Das Dekret muss nun noch vom Abgeordnetenhaus verabschiedet werden. Die Regierungskoalition aus fremdenfeindlicher Lega-Partei und populistischer Fünf-Sterne-Bewegung verfügen dort über eine stabile Mehrheit, weshalb das Dekret auch die letzte parlamentarische Hürde nehmen dürfte.

Quelle: Spiegel

Nov 13

Rede vor EU-Parlament: Merkel plädiert für europäische Armee – Buhrufe und Applaus

Angela Merkel fordert in einer Rede vor dem Europäischen Parlament in Straßburg eine „echte europäische Armee“. Die Zeiten, in denen Europa sich auf andere verlassen konnte, seien „schlicht vorbei“, so Merkel. Quelle: WELT

Angela Merkel hat vor dem Europäischen Parlament in Straßburg eine „echte europäische Armee“ gefordert.

  • Die Zeiten, in denen Europa sich auf andere verlassen konnte, seien „schlicht vorbei“, sagte Merkel.

  • Die Kanzlerin bezog damit Stellung im Streit zwischen Frankreichs Präsident Macron und US-Präsident Trump.

Bei diesem umstrittenen Thema wurde es plötzlich laut im Saal: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich für die Entwicklung einer europäischen Armee ausgesprochen. „Wir sollten an der Vision arbeiten, eines Tages auch eine echte europäische Armee zu schaffen“, sagte Merkel am Dienstag in einer Rede im Europaparlament. „Eine gemeinsame europäische Armee würde der Welt zeigen, dass es zwischen den europäischen Ländern nie wieder Krieg gibt.“

Die Zeiten seien vorbei, in denen man sich vorbehaltlos auf andere verlassen könne. Das bedeute, dass Europa außenpolitisch handlungsfähiger werden müsse.

Lauter Applaus und Buhrufe aus den verschiedenen Fraktionen mischten sich, als Merkel betonte, eine europäische Armee wäre „keine Armee gegen die Nato“. „Kein Mensch möchte klassische Verbindungen in Frage stellen“, sagte sie. Es sei schlicht einfacher, auf diesem Gebiet zusammenzuarbeiten.

Anzeige

Zudem sagte Merkel, die EU solle auch eine gemeinsame Politik für Rüstungsexporte entwickeln sowie an der gemeinsamen Entwicklung von Waffensystemen arbeiten.

Trump entschieden gegen europäische Armee

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Merkel für eine europäische Armee ausspricht. Schon 2007 plädierte sie für diese Idee, 2015 bekräftigten sie und Ursula von der Leyen die Forderung erneut. Nun erhält die Idee in einer veränderten geopolitischen Lage neuen Aufwind: Merkel stellt sich auf die Seite von Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron.

Dieser hatte vergangene Woche erneut eine „echte europäische Armee“ für mehr Unabhängigkeit von den USA ins Spiel gebracht und damit mehrfach Kritik von US-Präsident Donald Trump auf sich gezogen. „Was ich nicht sehen möchte, sind europäische Länder, die ihr Verteidigungsbudget steigern, um (US-) amerikanische oder andere Waffen zu kaufen“, sagte er am Sonntag dem US-Nachrichtensender CNN.

Darauf twitterte Trump am Dienstag: „Emmanuel Macron schlägt den Aufbau einer eigenen Armee vor, um Europa gegen die USA, China und Russland zu verteidigen. Doch es war Deutschland in den Weltkriegen Eins und Zwei – wie ging das für Frankreich aus? Sie haben in Paris angefangen, Deutsch zu lernen, bevor die USA vorbeikamen. Zahlt für die Nato oder nicht!“


Wie eine europäische Armee aussehen könnte, ist bislang unklar. Nach Vorstellungen Frankreichs könnte im ersten Schritt von einer kleinen Gruppe von Staaten eine schlagkräftige Interventionstruppe für Kriseneinsätze zum Beispiel in Afrika aufgebaut werden. Erst in der nächsten Etappe würde dann das Projekt einer „echten europäische Armee“ angegangen werden.

Dies sieht die Bundesregierung kritisch. „Eine Europäische Armee muss innerhalb der Europäischen Union aufgestellt werden und nicht außerhalb. Dafür haben wir vor einem Jahr die Europäische Verteidigungsunion geschaffen“, sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen in der vergangenen Woche. Sie stellte wiederholt auch klar, dass die Verantwortung für Truppeneinsätze bei den Staaten und Parlamenten bleiben müsse. Statt von einer europäischen Armee sprach sie am Montag von einer „Armee der Europäer“.

Die EU hat bereits seit 2007 Krisenreaktionskräfte. Die sogenannten Battlegroups kamen aber noch nie zum Einsatz, unter anderem, weil die Truppensteller die Einsatzkosten zum Großteil selbst tragen müssten.

„Europa ist noch nicht so geeint, wie ich mir das wünschen würde“

Vor dem Europaparlament leitete Merkel ihre Forderung zur stärkeren Zusammenarbeit in der Verteidigungspolitik aus ihrem Plädoyer für mehr Solidarität unter den EU-Staaten ab: „Die Solidarität ist ein Teil der europäischen DNA“, sagte die Bundeskanzlerin.

Es sei immer weniger „erfolgversprechend“, auf der globalen Bühne alleine seine Interessen durchzusetzen. „Wir brauchen mehr denn je das Verständnis, dass die Toleranz die Seele Europas ist und dass sie ein ganz wesentlicher Bestandteil dessen ist, was uns als Europäer ausmacht“, so Merkel.

Merkel forderte in diesem Zusammenhang auch mehr Zusammenarbeit beim Thema Migration. In der Migrationsfrage sei „Europa ist noch nicht so geeint, wie ich mir das wünschen würde“, sagte sie. Wenn etwa jeder seine nationale Zuständigkeit behalten und keiner der europäischen Grenzschutztruppe Zuständigkeiten geben wolle, „dann kann die noch so groß und noch so gut sein, dann wird sie ihre Arbeit nicht erfüllen können“. Hier müssten die Mitgliedstaaten ein stückweit auf nationale Kompetenzen verzichten.

Es sei zudem wichtig, ein gemeinsames europäisches Asylverfahren zu entwickeln, um die Wanderung von Asylbewerbern von einem in den anderen EU-Staat zu unterbinden. Gleichzeitig gab sie auch zu, dass Deutschland sich „nicht immer tadellos verhalten“ habe. Die Flüchtlingsfrage hätte früher als gesamteuropäische Aufgabe angenommen werden müssen.

Quelle: Welt

Ältere Beiträge «

» Neuere Beiträge

Close