Aug 15

Freiwillige nehmen Notrufe von Bootsflüchtlingen entgegen

Handy © CC0 Public Domain, pixabay, bearb. MiG

Mehr als 1.900 Kilometer Luftlinie trennen Frankfurt am Main und die Straße von Gibraltar. Dennoch helfen Ehrenamtliche von Hessen aus täglich, Bootsflüchtlinge im Mittelmeer zu retten. Ihr Werkzeug: Ein Telefon. Von Patricia Averesch

Die Dreiecke sind grün, rot, pink oder blau. Hagen Kopp schaut auf das eingeblendete Kartensystem auf seinem Laptop-Bildschirm, daneben liegt sein Handy. Bei einer Limonade in einem Frankfurter Café zoomt der 58-Jährige auf die „Straße von Gibraltar“, eine Meerenge, die Europa von Afrika trennt. Die Dreiecke im hellen Blau zeigen Kopp, wo in diesem Moment Container-, Kreuzfahrt- und Küstenwache-Schiffe fahren. Was er allerdings nicht sieht, sind die Schlauchboote, in denen Flüchtlinge aus Nordafrika täglich das Meer überqueren. Doch sie könnten bei ihm anrufen.

Fünf Mal im Monat ist Kopp in einer Acht-Stunden-Schicht auf Empfang. Der Lagerarbeiter betreibt mit 150 anderen Freiwilligen – etwa in München, Wien oder im spanischen Cadiz – ein Notfalltelefon für den Mittelmeerraum. Flüchtlinge und Migranten, die auf See verzweifelt auf Hilfe warten, können nach dem ersten SOS an die Küstenwachen bei Kopps „Alarmphone“ einen zweiten Notruf absetzen, wenn keine Rettung kommt. Rund um die Uhr.

Wege haben sich verändert

Die Telefon-Helfer und -Helferinnen protokollieren alle Fälle, informieren die Küstenwachen vor Ort und halten so lange wie möglich Kontakt mit den Menschen in Seenot. „Wir achten darauf, dass die oft überforderten Küstenwachen kein Boot vergessen“, sagt Kopp. Da klingelt sein Handy. Ein Anrufer von einem privaten Rettungsschiff, das in Italien festsitzt. Er berät mit Kopp über einen Notfall, bei dem es auf See zwei Tote vor Libyen gab.

Die Wege der Flüchtlinge nach Europa haben sich seit dem Sommer verändert. Die neue Hauptroute führt von Tanger in Marokko nach Spanien. Das „Alarmphone“ hat von dort an einem einzigen Tag Notrufe von 24 Booten erhalten. Meist steigen die Leute in kleine Plastikboote, „wie wir sie aus dem Badesee kennen“, weiß Kopp. Ohne Motor heißt es stundenlang paddeln ohne Pause.

Position per WhatsApp

Wenn die Männer und Frauen bei leichtem Wind müde werden, schwappen Wellen ins Boot, und es wird schnell gefährlich. Am Telefon hört Kopp dann, wie auf dem Boot Panik ausbricht – die Stimmen werden lauter, Kinder schreien. Schnell fragt Kopp, wo und wann sie gestartet sind – und nach der Position, falls möglich, per WhatsApp.

Seit Herbst 2014 war das „Alarmphone“ in mehr als 2.300 Rettungsaktionen auf dem Mittelmeer involviert. Am schwierigsten ist es für Kopp, wenn die Telefonverbindung zu einem Boot abbricht: „Ich bange dann tagelang mit den Menschen“, sagt er. Obwohl sich die Helfer fortlaufend bei den Küstenwachen nach den Verschollenen erkundigten, würden nicht alle Boote gerettet.

Tot mangels legale Überfahrt

„Manchmal hören wir Tage später, dass die Menschen tot angeschwemmt wurden.“ Kopp und seine Mitstreiter wollen sich mit dieser Situation nicht abfinden. Sie fordern, den Bootsflüchtlingen eine legale und sichere Überfahrt nach Europa zu ermöglichen – zum Beispiel mit den Fähren von Tanger nach Tarifa. Kopp: „Wenn die Menschen so wie wir in die Fähren steigen könnten, wäre das Sterben auf See morgen beendet.“

Doch so lange Europa seine Grenzen weitgehend geschlossen hält, macht das „Alarmphone“ weiter. Die Telefonnummer +33486517161 verbreitet sich über das Internet, und von Mund zu Mund. Die meisten Anrufe kommen aus der Straße von Gibraltar. Seit Jahresbeginn kamen nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 23.000 Flüchtlinge in Spanien an.

Fassungslos über Vorwürfe

Der Weg von Tanger in Marokko nach Spanien ist zur Hauptfluchtroute geworden, seitdem Italien und Malta ihre Häfen schlossen. Wenn das „Alarmphone“ einen Anruf aus internationalem Gewässer erhält, versuchten die Freiwilligen zuerst die spanische Küstenwache zu erreichen, erklärt Kopp. Wenn die Spanier die Flüchtlinge retteten, hätten sie es nach Europa geschafft und dürften einen Asylantrag stellen.

Was entgegnet Kopp Kritikern, die ihm vorwerfen, Schleuser zu unterstützen? „Wir sind eine unmittelbare Reaktion auf das unerträgliche Sterbenlassen im Mittelmeer“, sagt er schnell. Dabei schüttelt er den Kopf, fassungslos darüber, dass sich solche Vorwürfe halten. Schon bevor es das „Alarmphone“ oder private Rettungsschiffe gab, hätten Menschen versucht, mit Hilfe von Schleusern nach Europa zu kommen, erklärt er. „Da gab es schon viele Tausende Tote. Und die Zahlen wären heute noch viel höher, wenn es die privaten Retter nicht gäbe.“ (epd/mig)

Quelle: migazin

Aug 15

Prozess-Auftakt wegen Versuchter Mord: Streit um Drogen eskaliert – zwei Männer verletzt

Bakery D. (47) mit seinem Verteidiger im GerichtssaalFoto: Martin Brinckmann

Hamburg – War es gekränkte Ehre oder Notwehr? Vor dem Landgericht begann am Mittwoch der Prozess gegen Bakery D. (47, Elfenbeinküste). Anklage: versuchter Mord. Er soll an der Ecke Max-Brauer-Allee/Ehrenbergstraße zwei Männer (42, 46) mit einem Messer angegriffen haben. Das ältere Opfer erlitt schwerste Hirnverletzungen.

Der Angeklagte: „Es tut mir leid, ich habe das nicht mit Absicht gemacht.“

Auslöser des Streits: ein Drogengeschäft für 20 Euro auf dem Herrenklo. D. behauptet, von einem der Männer angegriffen worden zu sein – mit ungewaschenen Händen, was ihn besonders empört habe. Nachdem er aus der Sportsbar geworfen worden war, sei der Streit auf der Straße eskaliert und er habe sich nur gewehrt.

Prozess geht weiter. Ob das schwerverletzte Opfer vor Gericht aussagen kann, ist noch nicht klar.

Quelle: BILD

Aug 15

„Aquarius“- Deutschland will 50 Migranten aufnehmen

Das Foto zeigt das Schiff „Aquarius“ der französischen Organisation „SOS Mediterranée am 12. Juni 2018. (dpa-Bildfunk / AP / Salvatore Cavalli)

Deutschland will 50 der insgesamt 141 Migranten, die sich an Bord des Rettungsschiffs „Aquarius“ befinden, aufnehmen.

Dazu habe sich Bundesinnenminister Seehofer aus Gründen der Humanität entschieden, erklärte ein Sprecher in Berlin. Voraussetzung sei gewesen, dass andere Staaten sich ebenso
verhielten. – Malta hatte sich zuletzt bereit erklärt, die
„Aquarius“, die schon seit dem vergangenen Freitag im Mittelmeer ausharrt, anlegen zu lassen. Nach Angaben der
Regierung in Valletta sollen die Migranten aus Afrika auf Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Spanien und Portugal verteilt werden.

Quelle: dlf

Aug 15

Kritiker darf Berliner Senatssprecherin „fast komplett geschwindelten Lebenslauf“ vorwerfen

Claudia Sünder wollte vor dem Landgericht Berlin verbieten lassen, dass der Schriftsteller Hanjo Lehmann ihr einen „fast komplett geschwindelten Lebenslauf“ vorwirft. Doch der Kritiker darf sich durch den Gerichtsbeschluss in mehreren Punkten bestätigt fühlen. Sünder dürfte mehr im Fokus stehen denn je.

Die Berliner Senatssprecherin Claudia Sünder gerät in der Affäre um Ungereimtheiten in ihrem Lebenslauf unter Druck. Wie der stern in seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe berichtet, scheiterte die Sozialdemokratin in einer ganzen Reihe von Punkten vor dem Landgericht Berlin mit dem Versuch, einem Kritiker Aussagen zu verbieten. Sie war dort gegen den Berliner Schriftsteller Hanjo Lehmann vorgegangen, der ein Pamphlet zu ihrem Lebenslauf verfasst und verbreitet hatte, in dem er Sünder als „Flunker-Queen“ und „tölpelhafte FDJ-Pflanze aus Boltenhagen“ verspottet hatte.

In einem Beschluss vom 26. Juli, der dem stern vorliegt, urteilte das Landgericht Berlin jetzt, es gebe „hinreichende Anhaltspunkte für die subjektive Wertung“ von Lehmann, dass Sünder „die Öffentlichkeit hinsichtlich ihrer realen Qualifikationen umfassend getäuscht hat“. Das gelte auch, so das Gericht, für Lehmanns Meinung, dass es sich bei Sünders biografischen Angaben „um einen fast komplett geschwindelten Lebenslauf“ handelt.

„Nicht vergleichbar mit der Führung eines Unternehmens“

Das Gericht untersagte Lehmann zwar eine ganze Reihe von Aussagen, legte Sünder aber immerhin 38 Prozent der Kosten auf. Die Richter übten indirekt auch Kritik an offiziell vom Berliner Senat veröffentlichten Angaben über den Lebensweg der Sprecherin des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD). Dass dort als erste Station der heutigen Sozialdemokratin ab 1988 eine Tätigkeit als „Redakteurin Pressedienst Berlin“ aufgeführt werde, sei insofern „irreführend“, als sich ihre Tätigkeit „auf gänzlich unbedeutende DDR-Regionalzeitungen“ beschränkte habe. Laut Sünders eigenen jüngsten Angaben war sie damals in Ost-Berlin zunächst als Volontärin bei einem Pressedienst für Regionalableger der „National-Zeitung“ tätig, das Organ der DDR-Blockpartei NDPD.

Das Gericht störte sich überdies daran, dass Sünder verbreiten ließ, sie habe ab 1996 die „Leitung“ einer Immobilienfirma in ihrem Heimatort Boltenhagen in Mecklenburg innegehabt. Tatsächlich war sie bei der Gesellschaft aber nicht Mitglied der Geschäftsführung, sondern führte nur ein Filialbüro. Das sei „nicht vergleichbar mit der Führung eines Unternehmens“, fanden die Richter.

Sünder weist den Vorwurf der Unaufrichtigkeit zurück. Sie will nach Angaben des Senats gegen den Gerichtsbeschluss Beschwerde beim Kammergericht einlegen. Wegen des Vorwurfs der Beleidigung ermittelt gegen Lehmann auch die Berliner Staatsanwaltschaft. Wie der stern bereits vorvergangene Woche publik machte, hatten Mitte Juli Polizisten sogar die Wohnung des Autors durchsucht und  Handys und Rechner beschlagnahmt. Die 48-Jährige Claudia Sünder amtiert seit Anfang 2017 als Sprecherin der Berliner Landesregierung.

Quelle: Stern

Aug 14

Hamburg – 14-Jährige vergewaltigt: „Justiz muss härter durchgreifen“

Der 30-Jährige, der in Hamburg eine 14-Jährige vergewaltigt haben soll, sitzt in Untersuchungshaft. Der stark alkoholisierte Afghane hatte das Mädchen am Hauptbahnhof angesprochen und war ihr gefolgt. Quelle: WELT

Ein 30-Jähriger soll in Hamburg ein Mädchen vergewaltigt haben. Kurz nach der Tat wird bekannt, dass er eigentlich abgeschoben werden sollte. Nun wird auch klar, warum, und Politiker beziehen Stellung.

Die Vergewaltigung einer 14-Jährigen in der Hamburger Innenstadt hat eine neue Diskussion über den Umgang mit ausländischen Straftätern entfacht. CDU-Bundestagsabgeordnete forderten härtere Strafen, die Hamburger CDU-Bürgerschaftsfraktion dagegen eine schnellere Abschiebung zum Schutz der Bevölkerung. Grünen-Politiker Konstantin von Notz warnte vor Stimmungsmache gegen Ausländer. Unter dringendem Tatverdacht steht ein 30-jähriger Afghane. Er soll die 14-Jährige am Samstagmorgen in einem Hauseingang an der Mönckebergstraße vergewaltigt haben.

Nach der Tat verfolgte der stark alkoholisierte Mann das Mädchen laut Polizei weiter in die U-Bahn. An der Station Hoheluftbrücke stieg die 14-Jährige aus und bat an einer nahe gelegenen Tankstelle um Hilfe. Dort konnte die Polizei den Verdächtigen festnehmen. Es kam in Haft.

Trunkenheit, Leistungserschleichung und Körperverletzung

Wie die Hamburger Ausländerbehörde bestätigte, handelt es sich bei dem Mann um einen abgelehnten Asylbewerber. Er sei im April 2011 in die Hansestadt gekommen und nach Mecklenburg-Vorpommern umverteilt worden. Sein Asylantrag sei dort abgelehnt worden. Dann habe er eine Hamburgerin geheiratet und erhielt deswegen ab Mai 2012 eine Aufenthaltserlaubnis. Noch im selben Jahr beging er erste Straftaten.

Nach Angaben der Hamburger Staatsanwaltschaft wurde er im Dezember 2012 wegen Beleidigung und Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt. 2013 folgten zwei weitere Verurteilungen wegen Diebstahls und Beleidigung. 2014 wurde die Ehe geschieden und die Aufenthaltserlaubnis nachträglich auf Juli 2013 befristet, wie ein Behördensprecher erklärte. Seitdem werde er in Deutschland nur noch geduldet.

Im Jahr 2015 folgten zwei weitere Verurteilungen wegen Leistungserschleichung und Trunkenheit im Verkehr, 2016 zwei Geldstrafen wegen Beleidigung und Bedrohung. Eine erste Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung erhielt er wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen. Er hatte einen Mann mit einem Wetzstahl verletzt und in entwürdigender Weise fotografiert.

Nach der Verurteilung begeht er nach Darstellung der Staatsanwaltschaft eine neue Gewalttat: Er bedroht einen Bewohner einer Flüchtlingsunterkunft am S-Bahnhof Billwerder-Moorfleet mit einem Springmesser und versucht ihn auszurauben. Der Mann flüchtet in Panik über die Gleise und rennt in ein Kleingartengelände, wobei er mit dem Kopf gegen einen Baum stößt. Wegen Diebstahls mit Waffen und versuchter schwerer räuberischer Erpressung verurteilt ihn das Landgericht im März 2017 zu drei Jahren und zwei Monaten Haft. Das Urteil wird nicht rechtskräftig. Der Bundesgerichtshof hebt es im Juli 2017 auf. Zu einer Neuverhandlung kam es bislang nicht. Rechtskräftig wird er in diesem Jahr wegen einer Leistungserschleichung verurteilt.

Die Ausländerbehörde wollte den Afghanen abschieben. Doch die Staatsanwaltschaft verweigerte die Zustimmung dazu. Das Strafverfolgungsinteresse habe Vorrang gehabt, sagte Sprecher Carsten Rinio.

Abschieben oder bestrafen?

Auch die CDU ist sich offenbar nicht einig, ob die Abschiebung oder die Bestrafung Vorrang haben soll. „Wenn die Bürger bis zum Gerichtsverfahren nicht effektiv geschützt werden können und mutmaßliche Täter aufgrund der Überlastung der Hamburger Justiz monatelang auf freiem Fuß sind, muss eine sofortige Abschiebung erfolgen“, erklärte der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Dennis Gladiator. Justizsenator Till Steffen (Grüne) müsse der Staatsanwaltschaft eine entsprechende Vorgabe machen.

Der Hamburger Bundestagsabgeordnete Christoph de Vries (CDU) sagte der „Bild“-Zeitung dagegen: „Wir brauchen Gerichte, die bei Mehrfachstraftätern auch Freiheitsstrafen verhängen, sonst verliert der Rechtsstaat seine Glaubwürdigkeit.“ Der Innen- und Rechtspolitiker im Bundestag, Patrick Sensburg (CDU), sagte der „Bild“: „Bei Wiederholungstätern wie im Fall Mansor S., die hier Asylverfahren durchlaufen oder deren Antrag bereits abgelehnt worden ist, muss die Justiz härter und nicht milder durchgreifen.“

Innen- und Rechtsexperte der Grünen im Bundestag, von Notz, meinte: „Die Justiz muss diesen Fall sauber aufarbeiten. Aber Einzelfälle wie dieser dürfen nicht zur Stimmungsmache gegen Schutzsuchende und Ausländer missbraucht werden.“ Die Hamburger AfD meinte: „Der Staat versagt auf ganzer Linie. Das Abschieben krimineller Straftäter schützt die einheimische Bevölkerung. Wann verstehen linksgrüne Politiker das endlich“, so der innenpolitische Sprecher der AfD, Dirk Nockemann.

Quelle: welt

Aug 14

Jugendliche setzen dutzende Autos in Brand und attackieren Polizei

Brandanschläge auf Autos in Schweden Fotos: Twitter-Screenshots

GÖTEBORG. Teils vermummte Jugendliche haben in der Nacht zu Dienstag im Südwesten Schwedens dutzende Fahrzeuge angezündet und mehrere Polizisten verletzt. Allein in Göteborg seien mindestens 88 Wagen zerstört oder schwer beschädigt worden, berichtete die Nachrichtenagentur TT.

 


„Wir sind in Göteborg an 20 Orten gewesen. Es sind vor allem Fahrzeuge abgebrannt – Autos, Lastwagen und Campingwagen – aber auch eine Mülldeponie“, sagte der Einsatzkoordinatorder Rettungsdienste in Göteborg, Johan Eklund. Laut The Local waren Gruppen von bis zu zehn teilweise vermummten Jugendlichen in den Bezirken Gårdsten, Hjällbo and Frölunda umhergezogen, schlugen die Fenster von Autos ein, kippten brennbare Flüssigkeit hinein und zündeten sie an.

 

In Trollhättan, 70 Kilometer nördlich von Göteborg, soll eine größere Gruppe ähnlich vorgegangen sein. Dort attackierten die Randalierer TT zufolge allerdings auch Polizisten. „Wir wissen aus Erfahrung, daß diese Art von Feuern in der Woche vor Schulbeginn öfter passieren als in anderen Wochen“, erläuterte Polizeisprecherin Ulla Brehm.

Die Polizei habe bereits mehrere Verdächtige identifiziert. Sie habe mit Eltern gesprochen, die vor Ort waren. Festnahmen habe es jedoch keine gegeben.

„Das ist das neue Schweden“

Auch in Stockholm, Uppsala, Malmö und Åkersberga brannten Autos. Die Göteborger Polizei geht davon aus, daß die Attacken in sozialen Netzwerken koordiniert wurden. Weitere Ermittlungen müßten diese Annahme jedoch erst noch bestätigen.

Ein Twitter-Nutzer, der ein Video veröffentlichte, das mehrere Brandanschläge in Göteborg zeigt, kommentierte: „Das ist das neue Schweden, wie wir es 2018 sehen. Schweden beginnt langsam, einem Kriegsgebiet zu ähneln.“ (ls)

Quelle: jungefreiheit

Aug 14

Asylbewerber: Mehrere Identitäten, intensiv kriminell – erst jetzt in U-Haft

Die Polizeiwache in Unna. (Foto: Rundblick)

Der am Montag (13. 8.) in Untersuchungshaft genommene afrikanische Asylsuchende aus Fröndenberg hat neben zwei Identitäten und einem verschwundenen Ausweis ein ellenlanges Straftatenregister.

Trotz seines zigfach bewiesenen Gewaltpotenzials sitzt er erst seit Montag (13. 8.) hinter Schloss und Riegel, und offen ist, wie lange er dort bleibt.

Ute Hellmann, Sprecherin der Kreispolizeibehörde Unna, listete im Rundblick-Gespräch am späten Montagnachmittag einen Überblick der beeindruckende Ansammlung von Straftaten auf, die sich der junge Mann allein seit Frühsommer in der näheren und weiteren Fröndenberger Umgebung aufs Kerbholz geladen hat.

Er ist bei der Unnaer Polizei sattsam bekannt, wurde dort bisher als „23-jähriger Guineer“ geführt. „Mit seinen Aliaspersonalien ist er 28 Jahre und von der Elfenbeinküste, also Ivore“, sagte Hellmann.

Diese letztere Identität ist offenbar seine richtige, das prüft die Ausländerbehörde des Kreises jetzt zusammen mit den Botschaftern der Elfenbeinküste nach. Das kann, wie berichtet, Monate dauern, erst Ende des Jahres findet eine Sammelanhörung mit den Botschaftern statt.

Ute Hellmann beschreibt die Handhabe bzw. mangelnde rechtliche Handhabe, die ihre Behörde in einem solchen Fall hat. Die Polizei kann noch so oft gerufen werden und kann einen notorischen Wiederholungstäter noch so oft kurzzeitig in Gewahrsam nehmen: Über Haftgründe entscheidet nicht sie, sondern der jeweils zuständige Haftrichter.

Daher entwickelt sich ein Fall wie dieser für die Polizei oft zur Sisyphusarbeit.

Die Polizeisprecherin listete (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) die kriminellen Aktivitäten auf, die bei dem offenbar 28 (und nicht 23) Jahre alten Asylsuchende allein im Mai aktenkundig geworden sind:

  • Am 12. des Monats randaliert er in Unna, beschädigt einen Zug.
  • Für denselben Tag notiert: „Widerstand und Bedrohung in Menden“ – der Afrikaner rastet im Bordell an der Fröndenberger Straße aus und drohte mit einer abgebrochenen Glasflasche. 
  • Zwei Tage später wird er bei einem Diebstahl in Bönen erwischt, widersetzt sich aggressiv seiner Festnahme und leistet erheblichen Widerstand.
  • Mitte Mai randaliert er in seiner Unterkunft in der Fröndenberger Stadtmitte. Seine Aggressionen richten sich nicht nur gegen das Mobiliar, sondern auch gegen seine dortigen Mitbewohner: Er begeht Körperverletzung. Die Stadt Fröndenberg verlegt ihn daraufhin in eine Unterkunft außerhalb der Stadtmitte.
  • Das hindert den kräftigen Mann nicht an weiteren Gewalttaten in der Innenstadt: So kreuzt er am 20. Mai mit einem „schwertähnlichen Gegenstand“, so Hellmann, am Fröndenberger Bahnhofscafé auf. Das „Schwert“ entpuppt sich als Gardinenstange, oben spitz zulaufend und durchaus gefährlich.

So läuft es den Sommer über weiter, und keine Handhabe gibt es für die Polizei, den gewalttätigen Dauerkunden zumindest mittelfristig aus dem Verkehr zu ziehen.

Bis die Situation jetzt vor zwei Wochen eskaliert:

  • Am Abend des 31. Juli demoliert der Ivore einen Dienstwagen der Stadt Fröndenberg mit einem enormen Stein – von dieser Attacke wird ein privates Video gedreht und liegt auch der Polizei vor. Es verbreitet sich rasend schnell im Internet.
  • Und einen Tag später beginnt der – vermutlich – 28-Jährige dann mit seiner Belagerung des BMW-Autohauses Procar in Unna, wo er zum Höhepunkt am vorletzten Freitag vier Mitarbeiter mit einem schweren Eisenpoller angreift.  – HIER noch einmal der ausführliche Bericht darüber.

Nach dieser Attacke nimmt die Polizei Kontakt mit dem Ordnungsamt der Stadt Unna auf, die uns Rathaussprecher Oliver Böer am heutigen Morgen in einem ausführlichen Telefonat bestätigte.

Das gemeinsame Ziel: eine Einweisung nach PsychKG – eine sofortige Unterbringung in eine Fachklinik, die jedoch an strenge Voraussetzungen gebunden ist. In Absatz 2 des Gesetzes heißt es:

“ (2) Nimmt die örtliche Ordnungsbehörde eine sofortige Unterbringung vor, ist sie verpflichtet, unverzüglich beim zuständigen Amtsgericht einen Antrag auf Unterbringung zu stellen. In diesem Antrag ist darzulegen, warum andere Hilfsmaßnahmen nicht ausreichten und eine gerichtliche Entscheidung nicht möglich war. Ist die Unterbringung und deren sofortige Wirksamkeit nicht bis zum Ablauf des auf den Beginn der sofortigen Unterbringung folgenden Tages durch das Gericht angeordnet, so sind die Betroffenen von der ärztlichen Leitung des Krankenhauses, bei selbstständigen Abteilungen von der fachlich unabhängigen ärztlichen Leitung der Abteilung (ärztliche Leitung), zu entlassen.“

Die LWL-Klinik in Dortmund-Aplerbeck, in die der Mann gebracht wurde, sah augenscheinlich (Auskünfte unterliegen dem Datenschutz) keine Grundlage, ihn länger dazubehalten. Im Übrigen hat er sich auch in der Klinik bereits wieder hochaggressiv gebärdet, weiß die Polizeisprecherin.

Im Ergebnis ist er bereits wenige Tage später wieder draußen. 

Anzeigen liegen reichlich vor, auch ohne die jüngste Aktion an der Alleestraße in Fröndenberg – Geschäftseinbruch mit einem Steinwurf am hellen Sonntagmittag, 12. August.

Für Mitte des Monats, sprich für folgende Woche, ist die Verhandlung angesetzt.

Zur Motivation für seine gewalttätigen Übergriffe sagte der Asylbewerber übrigens gegenüber der Polizei: Er wolle zurück nach Afrika. Und er wolle vorher sein Geld.

Quelle: Rundblick Unna

Aug 13

Anklage ist sicher – diese Berlinerin war Schleuser-Sekretärin

Papierkram ist lästig. Eine Bande krimineller Menschenhändler ließ die Büroarbeit von einer Berlinerin erledigen. Die zweifache Mutter soll sich mit dem Schleusen von Syrern eine goldene Nase verdient haben.

Die Schleuser-Sekretärin heißt Mayada Y. (27). Vater Syrer, Mutter Polin. Geboren in Damaskus. Haaransatz und Hals verhüllt ein Kopftuch mit Zebramuster. Mit Ahmad Z. (41) wurde die Charlottenburgerin am 17. Januar 2018 verhaftet. Er ist längst wieder frei, sie schmort hinter Gittern. 18 Mal soll sie bei der illegalen Einreise von Syrern „zum Zwecke der Asylantragstellung“ mitgewirkt haben.

Laut Anklage schrieb sie seit 2014 Einladungen für fingierte Besuchsreisen nach Polen. An polnischen Botschaften und Konsulaten in der arabischen Welt besorgten sich ihre Auftraggeber damit Visa zur kurzzeitigen Einreise in den Schengen-Raum. Der Flug ging nach Polen, Endstation Berlin: Hier wurde Asyl beantragt.

Mafiöses Schlepper-Milieu

Die Anklage wirft ein Schlaglicht ins mafiöse Schlepper-Milieu: Da gibt es das Ehepaar, das 6000 US-Dollar zahlt, und im sicheren Abu Dhabi zum Konsulat geht. Die Iranerin, die mit Schwester und Neffen für 9000 US-Dollar in Damaskus Visa beantragt, um über Polen nach Berlin zu reisen. Syrer, die aus Kuwait kommen, obwohl sie dort ein permanentes Aufenthaltsrecht haben. Zwei „Kunden“ hätten sogar gültige Greencards für die USA gehabt, so die Schleuser-Sekretärin.

Quelle: BZ

Aug 13

Die armen Länder werden nicht aufholen können, wenn ihre klügsten und besten Leute das Land verlassen

Der britische Ökonom Paul Collier kritisiert die verantwortungslose europäische Migrationspolitik. (Bild: Keith Barnes)
Der britische Ökonom Paul Collier kritisiert die verantwortungslose europäische Migrationspolitik. (Bild: Keith Barnes)

Der britische Ökonom Paul Collier kritisiert im Gespräch die verantwortungslose europäische Migrationspolitik. Statt Flüchtlinge und Migranten nach Europa zu locken, sollten mit westlichem Geld Arbeitsgelegenheiten für Flüchtlinge in der Nähe ihrer Heimat geschaffen werden.

Sie befassen sich seit Jahrzehnten mit Migrationspolitik. Wie ist das Thema zu einer so heiss diskutierten Streitfrage geworden – und wie kann es politisch weitergehen?

Momentan ist die Migrations- und Flüchtlingspolitik ein heilloses Durcheinander. Es ist ein defektes System. Im Grunde verdient es nicht einmal die Bezeichnung «System». Wie konnte es so weit kommen? Durch unglaublich unverantwortliche, kurzfristige politische Entscheidungen von zentralen Figuren in Europa – allen voran Angela Merkel, die das Flüchtlingsproblem, als es 2011 begann, zunächst weitgehend ignorierte, um 2015 dann panisch aufzuwachen.

Nun öffnete sie sehr unverantwortlich und einseitig die Türen – in dem Glauben, dass lediglich 10 000 Menschen kommen würden – und schlug diese Türen sechs Monate später genauso einseitig wieder zu, indem sie einen unglaublich teuren Deal mit Erdogan – einem wirklich netten Mann – aushandelte und versuchte, die anderen europäischen Länder dazu zu zwingen, die Flüchtlinge aufzunehmen, die sie einseitig hereingelassen hatte. Das ist wirklich eine erstaunliche Verantwortungslosigkeit, und so läuft natürlich auch die Europapolitik derzeit aus dem Ruder.

«Migration: Welt auf Wanderschaft». Sehen Sie die aktuelle Folge von «NZZ Format» am Donnerstag, 16. August, um 23.00 Uhr auf SRF 1.

Was sind die wichtigsten Triebkräfte hinter der Migration?

Zunächst müssen wir ganz deutlich zwischen Migration und Flucht unterscheiden. Flüchtlinge sind eine Untergruppe der Menschen, die ihre Heimat verlassen. Diejenigen, die nicht aus freien Stücken auswandern, sondern vertrieben werden, sind also per Definition Vertriebene oder Flüchtlinge. Sie wollen nicht auswandern und sind daher auch keine Migranten. Das ist der erste Punkt. Die meisten Vertriebenen finden innerhalb ihres Heimatlandes einen Ort zum Leben und werden daher als Binnenvertriebene bezeichnet – weltweit etwa 65 Millionen. Rund ein Drittel der Vertriebenen verlassen ihr Heimatland über die nächstgelegene Grenze und werden so, rechtlich gesprochen, zu Flüchtlingen. Die meisten von ihnen finden gleich hinter der Grenze ihres Heimatlandes Zuflucht, also in unmittelbarer Nachbarschaft zum Konfliktgebiet. Das ist das eigentliche Flüchtlingsproblem: für die Flüchtlinge an diesen regionalen Zufluchtsorten zu sorgen.

So wie die meisten syrischen Flüchtlinge in Libanon sind oder . . .

Sie sind in Libanon, in der Türkei und in Jordanien. Das von den Vereinten Nationen Anfang der fünfziger Jahre gegründete Flüchtlingshilfswerk UNHCR entstand in einem vollkommen anderen Kontext. Damals bestand die Lösung in Zeltstädten mit kostenloser Verpflegung und Unterkunft, was in den späten vierziger Jahren eine sinnvolle Lösung in Europa war. Für die heutige Flüchtlingssituation ist es nicht mehr sinnvoll. Das ganze UNHCR-System wird von neunzig Prozent der Flüchtlinge weltweit ignoriert, weil es nicht dem entspricht, was sie wollen. Sie wollen ihre Selbständigkeit zurückhaben. Stellen Sie sich vor: Sie mussten aus Ihrer Heimat fliehen. Sie wollen selbständig sein, Sie wollen Ihre Gemeinschaft wiederherstellen, und der einfachste Weg, das zu erreichen, ist, in eine Stadt zu gehen. Und das ist, was die meisten Flüchtlinge tun: Arbeit in einer Stadt suchen.

Die nach Jordanien gelangten syrischen Flüchtlinge waren in gewissem Sinne im Paradies: dieselbe Religion, dieselbe Sprache. Der grosse Unterschied bestand darin, dass in Jordanien das Pro-Kopf-Einkommen sechsmal so hoch wie in Syrien ist. Wenn daher ein Syrer einen Arbeitsplatz in Jordanien finden könnte, ginge es ihm sehr gut. Er hätte dort den Himmel auf Erden erreicht. Für die jordanische Regierung wurde das jedoch eher zu einem «höllischen» Problem, denn sie konnte nicht zulassen, dass andere Menschen – die Syrer – die jordanische Bevölkerung im Kampf um Arbeitsplätze unterbieten. Alex Betts und ich schlugen der Regierung eine Strategie vor mit der Frage: «Wenn es uns gelänge, dass dies sowohl den Jordaniern als auch den Flüchtlingen zugutekäme, würden Sie den Flüchtlingen dann erlauben zu arbeiten?» Die Idee war, dass Europa für Arbeitsplätze sorgt – sowohl für Flüchtlinge als auch für die jordanische Bevölkerung.

Ihre Idee bestand also im Grund darin, Anreize für alle Seiten zu schaffen?

Ja, natürlich. Es wäre verrückt gewesen, mit erhobenem Zeigefinger zu fordern: «Sie sollten ihnen Arbeitsplätze geben.» Wir können die Globalisierung dazu nutzen, dort Arbeitsplätze zu schaffen, wo die Flüchtlinge sind. Europa – und insbesondere Deutschland – war bestens ausgerüstet, das zu tun. Mit all den bereits in der Region tätigen Unternehmen war Deutschland geradezu prädestiniert dafür. Deutsche Unternehmen haben über die Jahre Hunderttausende von Arbeitsplätzen in der Türkei geschaffen. Das hat keine Arbeitsplätze in Deutschland gekostet.

Ganz im Gegenteil: Es hat zur Steigerung der Produktivität in Deutschland geführt, weil die weniger qualifizierten, die weniger produktiven Arbeitsplätze in die Türkei verlagert wurden. Das ist Globalisierung in ihrer besten Form. Aber die Antwort des UNHCR auf unseren Vorschlag lautete: «Wir sind keine Arbeitsvermittlung. Wir geben Flüchtlingen keine Arbeit. Wir versorgen sie mit kostenlosen Lebensmitteln und Zelten.» Das ist das Problem. Die Menschen wollen nicht zehn Jahre lang kostenlos ernährt und in Zelten untergebracht werden. Sie wollen arbeiten.

Sie unterscheiden zwischen Vertriebenen, Flüchtlingen und Menschen, die infolge anderer Ursachen zu Migranten werden?

Ich könnte mein Einkommen verdoppeln, wenn ich nach Norwegen zöge. Die grosse Mehrheit der Weltbevölkerung würde ihr Einkommen durch einen solchen Umzug um sehr viel mehr als das Doppelte erhöhen. Darauf hat man aber kein Anrecht. Im Grund ist es sehr traurig, wenn Menschen sich über die Bestrebung definieren, ihr Land zu verlassen. Europa läuft ungewollt Gefahr, genau das mit Afrika zu tun.

Ich arbeite zu neunzig Prozent meiner Zeit mit afrikanischen Regierungen, deren Albtraum es ist, dass ihre jungen Menschen allmählich dem Narrativ verfallen, dass ihre Hoffnung in der Auswanderung liege. Derzeit arbeite ich mit der Regierung von Ghana – eine sehr gute Regierung; der Präsident, der Vizepräsident und der Finanzminister sind sehr gute Politiker, bessere als die obersten drei der meisten europäischen Länder. Ghanas BIP ist letztes Jahr um neun Prozent gestiegen. Die Regierung leistet gute Arbeit. Aber sie kann auf keinen Fall in diesem Jahr wirtschaftliche Möglichkeiten schaffen, die besser sind, als einen Job in Europa zu finden – nie und nimmer. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass wir das Recht hätten, die klügsten und besten jungen Ghanaer und Ghanaerinnen nach Europa zu locken. Sie werden in Ghana gebraucht.

Manche hegen den Irrglauben, eine grossartige, moralisch edle Tat zu vollbringen, wenn sie begabte junge Menschen mit den Worten «Willkommen in Europa» von ihren wahren Verpflichtungen und Möglichkeiten in Afrika weglocken, damit sie dann frustriert auf den Strassen Roms leben, was viel eher der Realität entspricht. Afrika muss Millionen von Arbeitsplätzen schaffen. Stattdessen verführen wir Afrikaner und Afrikanerinnen zu Tausenden dazu, in Boote zu steigen. Das ist überaus verantwortungslos und unethisch, denn wenn die Menschen aus Afrika erst nach Europa gekommen sind, erkennen sie die Wahrheit, stecken aber in der Falle, weil die Rückkehr eine Blossstellung vor ihren Freunden wäre.

So feiern wir uns selbst als gute Menschen und sind im Grunde zutiefst unethisch. Was Afrika braucht, ist eine Stärkung der Produktion und nicht ein Anrecht auf Konsum. Afrika braucht unsere Almosen nicht, es braucht unsere Unternehmen. Bei unseren Bemühungen, Firmen dazu zu bewegen, nach Jordanien zu gehen, um Beschäftigung für Flüchtlinge zu schaffen, sprachen wir mit vielen Firmen. Wissen Sie, was für sie das grösste Hindernis war?

Welches denn?

Die Unternehmen befürchteten, dass europäische Nichtregierungsorganisationen sie beschuldigen würden, Ausbeuterbetriebe mit Flüchtlingen zu betreiben, wenn sie nach Jordanien gingen. Dieselben NGO, die für sich beanspruchen, grossartige Verteidiger von Flüchtlingen zu sein, waren tatsächlich das grosse Problem.

Man kann aber offensichtlich beides tun: Man kann auch menschenwürdige Arbeitsplätze schaffen.

Natürlich, aber ehrlich gesagt, wenn man aus Syrien kommt, wo man selbst vor dem Krieg durchschnittlich 2000 Dollar pro Jahr verdiente, und jetzt in Jordanien ein Durchschnittseinkommen von 13 000 Dollar verdienen könnte, scheint so ziemlich jeder Job grossartig. Und natürlich wollten wir anständige Betriebe in die Gewerbegebiete bringen, die den gesetzlichen Bestimmungen in Jordanien entsprechen und wunderbare Arbeitsplätze für Syrer schaffen würden. Arbeitsstandards und so weiter wären kein Problem gewesen. Das ist eine vollkommen unberechtigte Sorge.

Was stattdessen passierte, war, dass knapp fünf Prozent der Syrer nach Deutschland gingen, aber nur ausgewählte. Wer ging nach Deutschland? Junge, wohlsituierte Männer, so dass jetzt vierzig Prozent aller syrischen Uni-Absolventen in Deutschland sind. Das ist so unverantwortlich, dass es angeprangert werden muss.

Wie erklären Sie es sich, dass gerade die Flüchtlingsfrage zu so einem polarisierenden Thema in Europa wurde?

Weil das Thema nicht durchgedacht wurde. Da waren politische Entscheidungsträger am Werk, die ihrem Auftrag nicht nachgekommen sind, langfristig zu denken, was eine vernünftige, auf lange Sicht gute Politik wäre. Stattdessen scheinen sie von Woche zu Woche oder gar von Tag zu Tag auf die Ereignisse reagiert zu haben. Mit kurzfristigen Entscheidungen aufgrund kurzfristiger Ereignisse gerät man immer tiefer in ein Schlamassel. Wir sollten uns endlich fragen: «Wie sieht eine nachhaltige Politik aus?» Ich glaube, dass wir sehr schnell einen breiten Konsens darüber finden könnten, wie eine solche nachhaltige Politik aussehen könnte – einen Konsens, dem sowohl die Linke wie die Rechte zustimmen könnte.

Eine nachhaltige Politik wird sich durch drei Merkmale auszeichnen: Eines davon ist, dass sie ethisch sein wird. Sie wird unseren ethischen Pflichten gegenüber den Flüchtlingen und gegenüber den Menschen in armen Ländern gerecht, die verzweifelt eine glaubwürdige Hoffnung brauchen. Sie brauchen eine Chance.

Worin bestehen diese Pflichten genau?

Eine der Pflichten gegenüber Flüchtlingen ist, dass wir Solidarität zeigen. Als 2011 der erste grosse Flüchtlingsstrom aus Syrien einsetzte, hatte Europa eine Verantwortung, genauso wie Jordanien, die Türkei und Libanon. Wir müssen Solidarität zeigen, aber wir beteiligen uns an den Solidaritätsmassnahmen nach dem Prinzip des komparativen Vorteils. «Ihr Jordanier macht, was ihr am besten könnt: die Grenzen offen halten, einen sicheren Zufluchtsort bereitstellen und den Menschen erlauben zu arbeiten. Wir tun, was wir am besten können: Wir bringen die Arbeitsplätze, die den Flüchtlingen ihre Selbständigkeit wiedergeben, und wir stellen das Geld zur Verfügung, das die Sache für Jordanien rentabel werden lässt.» Wir taten allerdings nichts. Jordaniens Haushaltsdefizit explodierte, weil das Land ohne Hilfe von aussen für diese Flüchtlinge aufkam.

Was sind die wichtigsten Dinge, die wir tun können?

Wirtschaftlich gesehen, besteht der einzige Weg, Staaten langfristig aus ihrer Fragilität zu befreien, darin, für Wirtschaftswachstum zu sorgen, mehr wirtschaftliche Möglichkeiten zu schaffen. In fragilen Staaten gibt es extrem wenige Betriebe, denn warum um alles in der Welt sollte ein anständiges Unternehmen dorthin gehen? Aber es besteht ein riesiges öffentliches Interesse daran, dass Betriebe dort tätig werden, weshalb öffentliche Gelder gebraucht werden, um sie dazu zu bewegen, in fragile Staaten zu gehen. Der Einsatz öffentlicher Mittel, um anständige Betriebe in dieses Umfeld zu bringen, in das sie eigentlich nicht gehen wollen, wo sie aber dringend gebraucht werden, ist die Art von Verwendung öffentlicher Gelder, die wichtig ist.

All unsere Regierungen haben Behörden oder Institutionen, die dafür zuständig sind. Das gehört zur Entwicklungszusammenarbeit. In Deutschland ist es die DEG, die als Teil der KfW arbeitet. In der Weltbankgruppe ist es die IFC, die jetzt Gelder aus dem Topf für Entwicklungszusammenarbeit erhält. Bis zum letzten Jahr musste die IFC selbst Gewinne machen, um für öffentliche Hilfsprogramme bezahlen zu können. Das war verrückt. Wenn man Gewinne machen muss, investiert man in China, was überhaupt nicht der Sinn der Sache ist und nichts mit dem eigentlichen Zweck dieser Institutionen zu tun hat.

Rund um die Welt gibt es 45 für Entwicklung zuständige Finanzinstitutionen – öffentliche Einrichtungen, die Unternehmen mit staatlichen Geldern dazu bringen, bestimmte Dinge zu tun. Viele von ihnen haben ihren eigentlichen Zweck noch nicht verstanden. Die Instrumente sind also vorhanden. Wir müssen sie nur richtig nutzen. Das kann doch, offen gesagt, nicht so schwer sein. Es ist bloss leider so, dass diese Institutionen schon seit Jahren existieren, aber nicht richtig genutzt wurden.

Wenn Sie im Vorfeld der Europawahlen im nächsten Jahr einen Europapolitiker beraten würden, welchen Policy-Mix würden Sie ihm empfehlen?

Wir stecken in einer polarisierten Debatte, weil die Menschen sich über die falschen Dinge streiten. Wir könnten weitgehende Einigkeit herstellen, wenn wir nicht länger unseren Fokus darauf richteten, was wir morgen tun, sondern uns damit beschäftigten, wie ein nachhaltiges System aussehen könnte. Ausgangspunkt ist, dass alles, was wir tun, ethisch sein muss. Das heisst, es muss unseren Pflichten gegenüber den Flüchtlingen gerecht werden. Und das wird es, indem wir den Flüchtlingen Arbeitsplätze bringen und den Regierungen der Zufluchtsländer riesige Unterstützung leisten, damit die Grenzen dieser Länder offen bleiben. Das ist das Entscheidende. Wenn die Gesellschaften der Zufluchtsländer keinerlei Vorteile von der Situation haben, werden sie ihre Grenzen nicht offen halten, und dann hat man den gefürchteten Druckkessel von Vertriebenen, die nicht aus ihrem Land herauskommen.

Unsere andere ethische Pflicht ist es, Möglichkeiten in Länder zu bringen, in denen sich das gefährliche Narrativ verbreitet, dass man nichts anderes tun könne, als wegzugehen. Mein gesamtes Arbeitsleben von über vierzig Jahren habe ich der Idee gewidmet, dass die armen Gesellschaften zu uns aufschliessen müssen. Sie werden nicht aufholen können, wenn ihre klügsten und besten Leute das Land verlassen.

Ich habe zurzeit einen Studenten, der Arzt aus dem Sudan ist. Ich unterrichte ihn nicht in Medizin, sondern in Staatspolitik, denn er möchte zurück in den Sudan gehen, um dort im Büro des Ministerpräsidenten zu arbeiten. Seine Freunde – andere sudanesische Ärzte in Grossbritannien – halten ihn für verrückt. Es arbeiten mehr sudanesische Ärzte in London als im gesamten Sudan. Es ist ein ethischer Skandal, dass Grossbritannien sudanesische Ärzte für sein Gesundheitswesen rekrutiert, statt im eigenen Land Ärzte auszubilden. Grossbritannien hat drei der zehn weltbesten Universitäten. Afrika hat keine davon. Die Vorstellung, dass wir auf Ärzte angewiesen sind, die in Afrika studiert haben, ist absurd. Afrika braucht Ärzte, die in Grossbritannien ausgebildet wurden. Es ist beschämend, dass in Europa eine derartige Politik betrieben wird.

Und dann müssen wir eine Politik verfolgen, die auf eine breite demokratische Zustimmung trifft, bei der die Mehrheit der Menschen sagt: «Ja, das ist gut.» Wenn man versucht, eine Politik durchzusetzen, die die Mehrheit der Menschen in dieser Gesellschaft für unverantwortlich hält, zerreisst man die betreffende Demokratie. Genau das passiert gerade. Die Regierungen überall in Europa haben das Vertrauen ihrer Bürger und Bürgerinnen verloren – und zwar deutlich messbar. Das ist eine Katastrophe, denn Regierungen sind in ihrer Arbeit auf Vertrauen angewiesen – nicht nur im Bereich der Migration, sondern in allen Bereichen.

Dieser Text ist die gekürzte Fassung eines Interviews, das auf Deutsch zuerst bei «Internationale Politik und Gesellschaft» und im englischen Original bei «Social Europe Journal» erschienen ist. Übersetzung von Ina Görtz.

Quelle: nzz

Aug 13

Frau niedergestochen: Siegburger Gericht verurteilt 26-Jährigen zu drei Jahren Haft

Amtsgericht Siegburg
Foto: Peter Freitag

Eitorf/Siegburg – Die Brutalität der Tat verfolgt Opfer und Zeugen bis heute. Der Mann, der am Rande des Eitorfer Karnevalszugs eine Frau niederstach, wurde am Montag vom Siegburger Schöffengericht zu einer Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt. Der Vorsitzende Richter Ulrich Wilbrand sprach deutliche Worte: „Er wollte sein Opfer entstellen.“

In der zweitägigen Hauptverhandlung ging es vor allem um das Motiv des Täters, eines 26-jährigen Asylbewerbers aus Syrien. Am Ende des insgesamt elfeinhalbstündigen Prozesses kam das Gericht zu dem Schluss, dass sich Verbitterung und enttäuschte Liebe beim Angeklagten so aufgestaut hatten, dass es am 12. Februar zu einer Explosion der Gewalt kam. Offen blieb, ob es zuvor eine Beziehung zwischen dem Angeklagten und der 31-jährigen dreifachen Mutter aus Afghanistan gegeben hatte. Die afghanische Familie war zuvor mit dem sehr gut Deutsch sprechenden Syrer befreundet, er half ihnen beim Umgang mit Behörden und bei der Wohnungssuche.

Als er begann ihr nachzustellen, habe sie versucht, den Kontakt abzubrechen, schilderte das Opfer im Zeugenstand. Der Angeklagte hingegen stellte sie als Prostituierte dar, sein Interesse sei rein sexuell gewesen. Er habe an diesem Rosenmontag nur seinen Schlüssel zurückgefordert, als sie schrie, habe er „aus Angst“ zugestochen. Dieses Motiv hielt sowohl die Staatsanwaltschaft wie auch das Schöffengericht für vorgeschoben. Egal, wie sich die Beziehung letztendlich darstellte, die Frau treffe keine Mitschuld, so Richter Wilbrand. Frauen seien „kein Freiwild, alle genießen den vollen Schutz der Rechtsordnung“.

An eine Bewährungsstrafe sei nicht denken

Dass der Angeklagte als integriert galt, gut deutsch spricht, arbeitet, ein Auto besitzt und in engem Kontakt steht zu einem deutschen Ehepaar, das ihn wie einen Sohn angenommen habe, helfe ihm in dieser Lebenslage nicht, betonte Wilbrand. Angesichts dieser gefährlichen Körperverletzung mit körperlichen und seelischen Folgen für die Frau, ihren Mann, der einen tiefen Bauchstich davon trug, und für ihre Kinder, die die Bluttat mitansehen mussten, sei an eine Bewährungsstrafe nicht zu denken.

Die hatte Strafverteidiger Michael Diwo gefordert aufgrund einer „extrem günstigen Sozialprognose“. Zudem sei der bislang nicht strafrechtlich in Erscheinung getretene Angeklagte als Ersttäter „haftempfindlich“.
Anwältin Dagmar Schorn, die die Opfer als Nebenkläger vertrat, vermisste hingegen, dass der Täter ihre Mandantin als Opfer anerkennt. In ihrem Plädoyer verlangte sie eine deutliche Strafe: „Ich möchte nicht, dass hier Einzug hält, dass Frauen im Gesicht verletzt und entstellt werden.“ Das Mitführen eines beidseitig geschliffenen Messers sei „in unseren Kulturkreisen nicht üblich“.

Das Gericht ging mit seinem Urteil über die Forderung der Staatsanwaltschaft von drei Jahren Haft hinaus. Dabei hätten sich das Geständnis und der geschlossene Vergleich mildernd ausgewirkt. Der Angeklagte stimmte einem Adhäsionsantrag zu; demnach muss er insgesamt 50.000 Euro an die afghanische Familie zahlen. Zehn druckfrische 200-Euro-Scheine übergab sein Anwalt noch im Saal an die Opfer.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Strafverteidiger ließ offen, ob er Berufung einlegt, oder in Revision geht. Der Verurteilte bleibt solange auf freiem Fuß, muss sich aber einmal wöchentlich bei der Polizei melden und darf zu den Opfern keinen Kontakt aufnehmen. Nach der Tat war die Familie aus Eitorf weggezogen. Aus Angst vor weiteren Übergriffen.

Quelle: ksta

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