Feb 23

Vorstoß NRW-Kommunen warnen vor Familiennachzug für Flüchtlinge


Unbegleitete jugendliche Flüchtlinge sollen ihre Familien nicht nach Deutschland holen dürfen, fordern die NRW-Kommunen.
Foto: dpa, privat

Die Kommunen in Nordrhein-Westfalen wollen den Familiennachzug für Flüchtlinge mit eingeschränktem oder subsidiärem Schutz bis 2020 aussetzen.

„Es besteht die Gefahr, dass die Städte und Gemeinden mit dem Zuzug weiterer Flüchtlinge überfordert werden könnten“, sagte Michael Becker, Sprecher des Städte- und Gemeindebunds NRW.

Unter subsidiärem Schutz
Wenn weder der Flüchtlingsschutz noch die Asylberechtigung gewährt werden können und im Herkunftsland ernsthafter Schaden wie Folter oder Todesstrafe droht oder das Leben aufgrund eines Krieges in Gefahr ist, gilt subsidiärer Schutz. Das gilt etwa für die meisten Syrer. Flüchtlinge mit subsidiärem Schutz erhalten eine Aufenthaltsgenehmigung für ein Jahr, die dann jeweils um zwei Jahre verlängert werden kann.

 

„Wir bewegen uns bereits am Limit.“ Die Forderung haben Vertreter der drei großen kommunalen Spitzenverbände am Mittwoch Kanzlerin Angela Merkel bei einem vertraulichen Treffen in Berlin übermittelt. Bislang galt die Sperre für den Familiennachzug bis März 2018.

Der Vorstoß wurde unter anderem angeregt vom Deutschen Städte- und Gemeindebund. „Sollte das Moratorium bereits 2018 enden, müssen wir möglicherweise mit einem schlagartigen Anstieg von Anträgen rechnen“, mahnte Sprecher Alexander Handschuh.

„Es ist aber dringend erforderlich, dass wir die Kontrolle über die Steuerung des Familiennachzugs behalten.“ Im Jahr 2020 sei die Lage wieder eine andere, sowohl Integration als auch Spracherwerb seien dann bereits fortgeschritten, sagte Handschuh.

Das Auswärtige Amt hat im vergangenen Jahr 105 000 Visa im Rahmen des Familiennachzugs ausgestellt. Um gerade die Fälle aus Syrien effizienter bearbeiten zu können, seien die Auslandsvertretungen in der Region, allen voran in Beirut und Istanbul, personell aufgestockt worden, teilte das Amt mit.

Insgesamt geht der Bund von rund 170 000 Flüchtlingen aus, die in diesem Jahr nach Deutschland kommen werden. Jeder Fünfte davon wird nach dem so genannten Königsteiner Schlüssel NRW zugewiesen.

Bei den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen wurden 2016 laut Auswärtigem Amt 3200 Visa vergeben. Die Jugendlichen dürfen Familienangehörige ersten Grades, also nur Mutter und Vater, nachholen. Wenn die eingereisten Eltern ihrerseits Asyl erhalten, erwerben sie das Recht, ebenfalls Antrag auf Familiennachzug zu stellen, allerdings nur für Ehepartner und minderjährige Kinder.

Pro Fall 4500 Euro im Monat

Die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in Nordrhein-Westfalen bewegt sich auf einem stabilen Niveau. Derzeit leben in NRW etwa 13.600 „umF“, wie sie im Amtsdeutsch genannt werden. Das teilte das Familienministerium auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ mit.

Einen erheblichen Sprung verzeichnet die Statistik zwischen den Jahren 2015 und 2016. In diesem Zeitraum stieg die Zahl von 3400 auf 13 200 Jugendliche, die ohne Familie nach Deutschland geflohen waren. Jeden Monat kommen zwischen 300 und 400 neue unbegleitete Jugendliche nach NRW.

Für die Betreuung, Versorgung und Unterbringung der jugendlichen Flüchtlinge sieht der NRW-Haushalt nach Angaben des Familienministeriums für das aktuelle Jahr 632 Millionen Euro vor. Jeder Fall kostet die Behörden monatlich im Schnitt 4500 Euro, hinzu kommt eine jährliche Verwaltungspauschale von 3100 Euro.

Die jugendlichen Flüchtlinge stammen aus insgesamt 60 unterschiedlichen Nationen. Die meisten, nämlich 37 Prozent, kommen aus Afghanistan, 36 Prozent aus Syrien und elf Prozent aus Irak, der Rest verteilt sich vor allem auf Guinea, Eritrea, Marokko und Somalia.

92 Prozent der Flüchtlinge sind männlich, viele davon reisen ohne Papiere ein. Ob es sich tatsächlich um Minderjährige handelt, wird im so genannten Clearingverfahren festgestellt, das alle Flüchtlinge durchlaufen müssen.

Im Zweifelsfall wird das genaue Alter über medizinische Gutachten ermittelt.

 

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Feb 23

Buxtehude: Familienzusammenführung steht auf der Kippe


Minderjährige Flüchtlinge können ihre Eltern nicht nachholen

Wahren die Rechte Minderjährige (v. li.): Jugendamtsleiterin Andrea Lange-Reichhardt und die gesetzlichen Vertreterinnen Minderjähriger, Silke Dickel und Beate Petzold-Lemke

ab. Buxtehude. Seit dem Jahr 2015 sind vermehrt minderjährige Flüchtlinge ohne Eltern in Buxtehude angekommen. Bis jetzt waren es 27, der Jüngste war zehn Jahre alt. Für diese Kinder und Jugendlichen haben Beate Petzold-Lemke und Silke Dickel von der Stadt Buxtehude die Vormundschaft übernommen. „Wir bringen sie in der für sie passenden Einrichtung unter, übernehmen die Gesundheitsfürsorge und die Vermögensverwaltung und sind bei Fragen und Problemen immer erster Ansprechpartner“, erläutert Beate Petzold-Lemke. Außerdem helfe der Vormund beim Stellen des Asylantrages und begleite die jungen Menschen z.B. nach Braunschweig oder Osnabrück, zur erkennungsdienstlichen Feststellung und der Anhörung. Doch immer häufiger erhalten diese Minderjährigen nicht den drei Jahre andauernden Flüchtlingsschutz, sondern nur den sogenannten subsidiären Schutz für ein Jahr.

„Bei den Syrern verläuft das Asylverfahren überwiegend positiv, bei den Afghanen nicht unbedingt“, sagt Silke Dickel. Doch auch für die Syrer gebe es inzwischen größere Hürden – wenn sie nicht den für drei Jahre geltenden Flüchtlingsschutz erhalten, sondern erst mal nur den subsidiären Schutz für ein Jahr. „Das bedeutet für die jungen Flüchtlinge, dass sie ein Jahr warten müssen, bevor sie einen Antrag auf Familienzusammenführung stellen dürfen“, fasst Jugendamtsleiterin Andrea Lange-Reichhardt zusammen. „Die Auswirkungen dieses Verfahrens sind enorm“, fügt sie hinzu. Denn: Viele Minderjährige werden im Laufe des subsidiären Jahres volljährig – und dürfen dann ihre Familien nicht mehr nachholen. Auch wer welchen Status erhalte, sei nicht unbedingt nachvollziehbar: Während die einen Ausweise und eine dreijährige Aufenthaltserlaubnis bekämen, erhielten andere das subsidäre Jahr, fügt Petzold-Lemke hinzu. „Die Enttäuschung ist dann sehr groß“, sagt sie, „und die Jugendlichen sind verzweifelt.“

Wird das subsidäre Jahr erteilt, klagt der Vormund auf Anerkennung der Flüchtlingseigenschaften. „Wir müssen die Rechte unserer Mündel komplett ausschöpfen, sonst könnten wir selbst von dem Flüchtling rechtlich belangt werden.“

Bevor so ein Verfahren in Gang kommt, werden die Eltern in der Heimat pro forma angeschrieben. „Da es sich meist um Krisengebiete handelt, gibt es keine Rückmeldungen“, erklärt Beate Petzold-Lemke. Auch wenn diese Flüchtlinge mit dem Onkel oder dem Bruder nach Deutschland geflohen seien, erhielten sie einen Vormund, da die Verwandten nicht Sorgerechtsinhaber seien.

Das Verhältnis zwischen Vormund und Mündel sei in Buxtehude ziemlich vertraut, erzählen Petzold-Lemke und Dickel. Das liege u.a. am regelmäßigen Kontakt und der Nähe, die sich aufbaue. „Es gibt viele junge Menschen, denen wir Halt geben können – und das ist für alle Vormundschaften schön“, sagt Silke Dickel.

Subsidiärer Schutz

Der subsidiäre Schutz greift, wenn weder der Flüchtlingsschutz noch die Asylberechtigung gewährt werden können und im Herkunftsland ernsthafte Gefahr droht. Der Status wird für ein Jahr erteilt und kann nach Ablauf um je zwei Jahre verlängert werden. Eine Niederlassungserlaubnis nach fünf Jahren (die Asylverfahrensdauer wird eingerechnet) ist möglich, wenn weitere Voraussetzungen, wie etwa die Sicherung des Lebensunterhalts sowie ausreichende Deutschkenntnisse, erfüllt sind.
(Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge)

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Feb 22

Horror-Fahrt nach Neapel Fähre: Als die Bord-Bar schloss, zuckten die Flüchtlinge aus


Polizei in Neapel: Die Beamten nahmen die rund 60 randalierenden Nordafrikaner in Empfang. Sie hatten die ganze Nacht an Bord randaliert. (Foto: Screenshot/Ansa)

Rund 60 Flüchtlinge flippten an Bord der Fähre „Janas“ der italienischen Reederei „Tirrenia“ komplett aus – „heute.at berichtete„: An Bord brach Panik aus, als die alkoholisierten Nordafrikaner mitten in der Nacht Passagiere belästigten, Frauen begrapschten, Kabinen stürmten und Schlafende weckten. Auch versuchten sie, die verschlossene Theke und einzelne Kojen aufzubrechen.

Die Situation an Bord eskalierte, als die Bar ihre Pforten schloss, wie die italienische Zeitung „La Stampa“ berichtet. Die Flüchtlinge konsumierten während der Überfahrt von Cagliari nach Neapel Alkohol. Ihr Ziel sei es gewesen, „sich zu betrinken und Chaos auf dem Schiff anzurichten“, so der Bericht. Unter den rund 200 Passagieren brach Panik aus, die Situation an Bord lief völlig aus dem Ruder.

Die Flüchtlinge schifften sich am Montag am Abend in Cagliari (Sardinien) an Bord der „Janas“ ein, 29 von ihnen waren bereits ausgewiesen. Sie sollten Italien binnen sieben Tagen verlassen, von Neapel aus sollte ihre Ausreise erfolgen. Auf dem Schiff befanden sich weitere nordafrikanische Flüchtlinge, mit ihnen freundeten sie sich an.

Das Personal auf der „Janas“ versuchte die ganze Nacht hindurch, die Lage zu beruhigen, doch vergebens. Erst als das Schiff im Hafen von Neapel anlegte und die Migranten die alarmierte Polizei (Der Kapitän schlug noch in der Nacht Alarm) auf der Mole sahen, kehrte Ruhe ein – hier das Video der Ankunft:

https://www.youtube.com/watch?v=2BC9u80tfk4&feature=youtu.be

Die Fähre wurde von der Polizeipräfektur Neapels den ganzen Dienstag durchsucht, um die Identität der Störenfriede festzustellen und die Horror-Nacht an Bord zu rekonstruieren. Dazu wurden auch die Bilder der Überwachungskameras ausgewertet.

29 Flüchtlinge hatten ihre Ausweisungspapiere erhalten, bei 32 weiteren handelt es sich um „reguläre“ Flüchtlinge, zwei weitere hatten keine Dokumente bei sich. In Italien ist jetzt eine Diskussion ausgebrochen, weil bereits ausgewiesene Flüchtlinge nicht rascher außer Landes gebracht werden.

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Feb 22

Panik auf italienischem Schiff Flüchtlinge verwüsten Fähre, stehlen, begrapschen Frauen


Die Fähre „Janas“: Passagiere erlebten eine Horror-Nacht, nachdem rund 50 Flüchtlinge randalierten. Panik an Bord!

Passagiere auf einem Schiff der italienischen Reederei „Tirrenia“ durchlebten eine Horror-Nacht auf dem Weg von Cagliari nach Neapel. An Bord der „Janas“ befanden sich auch rund 50 Flüchtlinge, die bereits ihre Ausweisungspapiere bekommen hatten und Italien binnen 7 Tagen verlassen müssen. Sie verwüsteten das Schiff, attackierten Passagiere, raubten Schlafkabinen aus.

Während der nächtlichen Schiffsreise nach Neapel, von wo aus sie in ihre Heimatländer gebracht werden sollten, versuchten sie, mit Gewalt Kabinen aufzubrechen und die schlafenden Passagiere auszurauben. Aus nicht versperrten Kabinen stahlen sie alles, „was nicht niet und nagelfest war“, berichten italienische Medien. Auch Frauen wurden von ihnen belästigt, heißt es. Zudem verwüsteten sie das Schiff. „Eine echte Barbarei“, so ein Augenzeuge. Die Reisenden erlebten eine Horror-Nacht, Panik brach an Bord aus. Die Fähre war am Montagabend in Cagliari gestartet und sollte über Nacht die Passagiere sicher nach Neapel bringen.

Als die riesige Fähre am Dienstag in der Früh um 08:30 Uhr im Hafen von Neapel anlegte, wartete die Polizei bereits an der Mole. Der Kapitän hatte Alarm geschlagen, nachdem sich immer mehr Passagiere bei ihm über die Flüchtlingsgruppe beschwerte. 29 Flüchtlinge konnten bislang identifiziert werden. Die Beamten durchsuchen derzeit noch das Schiff, ob sich noch weitere Migranten verstecken, um ihrer Ausweisung zu entgehen.

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Feb 22

Kabinett beschließt Burka-Verbot und Fußfesseln für Gefährder – Bayern



Elektronische Fußfesseln kommen bisher hauptsächlich zum Einsatz, um verurteilte Straftäter nach ihrer Entlassung aus der Haft zu überwachen, weil man sie weiterhin für gefährlich hält. Bayern will als erstes Bundesland dieses Instrument zur Abwehr von Terrorgefahr einsetzen.
Foto: Susann Prautsch, dpa

Die Zahl der Betroffenen, das musste Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) einräumen, wird nicht sehr groß sein. Dennoch will die Bayerische Staatsregierung offenkundig in zwei umstrittenen Politikfeldern ein Zeichen setzen. Zum einen in der Gesellschaftspolitik: Die Verhüllung des Gesichts durch Burka oder Niqab soll, wo immer dies rechtlich möglich ist, verboten werden. Zum anderen in der Terrorbekämpfung: Gefährder sollen durch richterliche Anordnung vorsorglich zum Tragen einer elektronischen Fußfessel verpflichtet werden können.

Beim Burka-Verbot sollen alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft werden, die dem Landesgesetzgeber zur Verfügung stehen. Dabei geht es um die Änderung von insgesamt acht Gesetzen. Obwohl in Bayern laut Herrmann bisher keine einzige Beamtin als Burka-Trägerin bekannt ist, soll für den öffentlichen Dienst einschließlich der Kindergärten grundsätzlich ein Gesichtsverhüllungsverbot gelten. Das soll im Beamtengesetz beziehungsweise im Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz geregelt werden. Begründung: Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes seien „in besonderer Weise als Repräsentanten des Gemeinwesens zu Neutralität gegenüber dem Bürger verpflichtet“.

An Hochschulen und Schulen soll nicht nur dem Lehrpersonal, sondern auch Schülerinnen und Studentinnen das Tragen von Burka und Niqab untersagt sein. Dazu sollen das Hochschulgesetz und das Gesetz für das Erziehungs- und Unterrichtswesen geändert werden. Begründung hier: Schüler müssten kommunikative Fähigkeiten erlernen, Lehrer müssten Schüler in die Augen schauen können.

Für das Burka-Verbot in Wahllokalen sollen das Landeswahlgesetz und die Landeswahlordnung ergänzt werden. Und um ein Burka-Verbot bei Versammlungen oder Veranstaltungen durchsetzen zu können, will die Staatsregierung das Polizeiaufgabengesetz sowie das Landesstraf- und Verordnungsgesetz ändern. In diesen Fällen geht es der Staatsregierung schlicht darum, eine Identifikation von Personen zu ermöglichen.

„Terroristische Gefährder“ sollen mit Fußfessel überwacht werden

Rechtliches Neuland dagegen betritt die Staatsregierung mit ihrem Plan, so genannte „terroristische Gefährder“ in bestimmten Fällen mit Unterstützung elektronischer Fußfesseln zu überwachen. Bayern will als erstes Bundesland dieses Instrument zur Abwehr von Terrorgefahr einsetzen. Bisher kommen Fußfesseln nur bei verurteilten Straftätern zum Einsatz, von denen auch nach ihrer Haft noch eine Gefahr ausgeht – vor allem bei Sexualstraftätern. Herrmann aber will die Fußfessel zur Gefahrenabwehr einsetzen – also unter Umständen auch bei Personen, die zwar als gefährlich gelten, sich aber noch nichts haben zuschulden kommen lassen. Bisher gibt es dazu im Polizeiaufgabengesetz die Möglichkeit, jemanden, von dem eine konkrete Gefahr ausgeht, für eine bestimmte Zeit auf richterliche Anordnung hin in Gewahrsam zu nehmen. In weniger schweren Fällen soll künftig die Fußfessel als neues Instrument hinzukommen.

Herrmann räumte ein, dass die Personengruppe, die dafür infrage kommt, nicht groß ist. „Das ist sicherlich eine sehr überschaubare Zahl, sicherlich weniger als ein Dutzend“, sagte er und versicherte: „Allein der Verdacht, dass jemand etwas im Schilde führen könnte, wird nicht ausreichen.“ Man werde in solchen Fällen dem Richter „sehr konkrete Dinge vorlegen müssen“. Aber die Fußfessel könne ein ergänzendes Instrument sein und stelle außerdem einen geringeren Eingriff in die persönlichen Freiheitsrechte dar als zum Beispiel eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung durch die Polizei. Die Gesetzesinitiativen werden jetzt den betroffenen Verbänden zur Anhörung vorgelegt und dann im Landtag beraten.

Feb 22

Angehörige vom Breitscheidplatz bei Gauck: Als erstes kam ein Gebührenbescheid


Die Trauer bleibt. Mit Blumen und Kerzen erinnert Berlin weiter an die Toten vom Breitscheidplatz.Foto: dpa/Jörg Carstensen

Der scheidende Bundespräsident Joachim Gauck hat – ganz im Stillen – nochmals ein Zeichen gesetzt: Ohne Pomp hat er im Schloss Bellevue am Freitagnachmittag rund 50 Angehörige der Todesopfer des Attentats vom Breitscheidplatz empfangen und ihnen seine Anteilnahme ausgesprochen. Zwölf Menschen waren heute vor genau zwei Monaten getötet worden, eine offizielle Trauerfeier hatte es nicht gegeben. Gauck sowie der ebenfalls anwesende Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) versprachen nach Angaben von Teilnehmern, in Zukunft die Kommunikation bei ähnlichen Ereignissen – die nicht kommen sollten – zu verbessern.

Was Angehörige berichteten, machte nach deren Angaben im Anschluss an das Treffen zum Teil auch Gauck und de Maizière fassungslos. Bis zu drei Tage irrten Angehörige durch die Stadt und klapperten Krankenhäuser ab, um zu erfahren, ob vermisste Angehörige unter den Opfern waren. Das ermittelnde Bundeskriminalamt hatte zunächst eine Nachrichtensperre verhängt. Diese sei begründbar, habe de Maizière gesagt. In den ersten Stunden sei die Lage unklar gewesen. Bei Anrufern habe man zunächst nicht unterscheiden können, ob es tatsächlich Angehörige, Trittbrettfahrer oder aufdringliche Medienvertreter waren.

Dies dürfe aber nicht zu einer solch misslungenen Kommunikation führen wie nach dem Anschlag vom 19. Dezember. Aber es ging noch weiter: Angehörige, die wussten, dass sie Verwandte verloren hatten, wurden, so schilderten es Teilnehmer im Schloss Bellevue, am Tag danach von Sicherheitsleuten daran gehindert, am Trauergottesdienst in der Gedächtniskirche teilzunehmen. Begründung: In der Kirche säßen hochkarätige Politiker. Gauck sagte dazu am Freitag, davon habe er beim Gottesdienst nichts gewusst.

Auch zunächst ahnungslose Angehörige seien unsensibel behandelt worden, berichteten Betroffene. So habe die Polizei nach „aussagekräftigem DNA-Material“ von Angehörigen gefragt, ohne den Grund zu nennen. Eine Antwort sei gewesen: „Wer jetzt nicht wisse, worum es gehe, sei selbst schuld.“ De Maizière kündigte Teilnehmern zufolge an, die Kommunikation in der Innenministerkonferenz zum Thema zu machen. Die Probleme dürften sich nicht wiederholen.

Aber auch auf Landesebene habe man die Angehörigen im Stich gelassen, sagten Betroffene. Das Erste, was sie vom Land erhalten hätten, sei ein Brief gewesen. Zunächst habe er gedacht, vielleicht kondoliere der Regierende Bürgermeister, berichtete ein Angehöriger. Was in dem Schreiben steckte, sei aber eine Rechnung gewesen – von der Gerichtsmedizin. Mit der Aufforderung, innerhalb der gesetzten Frist zu zahlen; ansonsten werde ein Inkassounternehmen das Geld eintreiben.

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Feb 22

Proteste in Frankreich: Jugendlliche liefern sich erneut Straßenschlachten mit der Polizei


Im Pariser Großraum halten die gewaltsamen Proteste gegen Polizeigewalt seit fast zwei Wochen an. Sie haben mittlerweile auch Paris selbst erreicht. Jugendliche, viele davon vermummt, ziehen auf die Straßen und suchen teilweise gezielt die Konfrontation mit der Polizei. Es scheint als sei mit den Berichten über den sexuellen Missbrauchs eines Migranten durch einen Polizeibeamten eine alte Wunde aus dem Jahr 2005 aufgerissen worden.

Im Jahr 2005 kam es zu ähnlichen Protesten, aber viel größeren Ausmaßes. Zwei Jugendliche waren nach einer Ausweiskontrolle vor den Polizeibeamten geflohen, weil sie befürchteten mit aufs Revier zu müssen. Bei der anschließenden Verfolgungsjagd versuchten sie zu einem Transformatorenhäuschen zu gelangen und wurden von Stromschlägen tödlich getroffen. Dem Tod der beiden folgten landesweite Proteste gegen die „Polizeischikane durch Polizisten gegen Menschen mit Migrationshintergrund“. Tausende Autos wurden in Brand gesetzt sowie städtische Einrichtungen attackiert und angegriffen. Im Laufe dieser Proteste soll es zu über 3.800 Übergriffen an Polizisten gekommen sein.

 

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Feb 21

Neuer Massenansturm auf spanische Exklave Ceuta


Mehr als 300 Menschen erklommen sechs Meter hohen doppelten Grenzzaun. Es gab mehrere Verletzte.

Bei einem neuen Ansturm von Migranten auf die spanische Exklave Ceuta in Marokko sind in der Nacht zum Montag etwa 350 Menschen auf spanisches Gebiet gelangt.

Es gelang ihnen, den sechs Meter hohen doppelten Grenzzaun zu erklimmen. Elf Menschen seien dabei verletzt worden, einige seien mit Knochenbrüchen in ein Krankenhaus gebracht worden, teilte das Rote Kreuz auf Twitter mit.

Erst am Freitag hatten etwa 1.000 Migranten versucht, über den Zaun zu klettern. 500 von ihnen schafften es dem Roten Kreuz zufolge, Spanien zu erreichen. Sie stammen überwiegend aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Die Präfektur von Ceuta erklärte, 700 Menschen hätten versucht, in die spanische Stadt zu gelangen, knapp 500 Menschen sei es gelungen. Einige der Schutzsuchenden sowie elf Mitglieder der Guardia civil, der spanischen Militärpolizei, wurden verletzt.

FILE - In this Feb. 17, 2017, file photo, migrants…Foto: AP/Jesus Moron

Auf Fernsehbildern örtlicher Medien waren dutzende Migranten zu sehen, die freudig durch die Straßen von Ceuta liefen. „Ich liebe dich, Mamma! Viva Espana!“, rief ein junger Afrikaner mit nacktem Oberkörper, eine blaue EU-Fahne um die Schultern geschlungen. „Libertad, Libertad!“ (Freiheit), schrie ein anderer. Die Rettungskräfte erklärten, das spanische Rote Kreuz betreue in Ceuta rund 400 Menschen.

110 Festnahmen

Die marokkanischen Behörden teilten mit, 250 Migranten hätten versucht, nach Ceuta zu gelangen. Davon seien 110 festgenommen worden. Außerdem gebe es zehn Verletzte bei den Sicherheitskräften und 20 bei den Flüchtlingen.

African migrants run on a road after crossing the Foto: REUTERS/STRINGER

Einwanderer aus Afrika versuchen immer wieder, mit dem Vordringen auf die spanischen Exklave EU-Boden zu erreichen. Spanien verfügt in Nordafrika über zwei Exklaven, die beide von Marokko beansprucht werden: Ceuta an der Meerenge von Gibraltar und das 250 Kilometer weiter östlich gelegene Melilla. In der Nähe der Gebiete harren Zehntausende notleidende Afrikaner sowie mittlerweile auch Syrer aus, die auf eine Chance hoffen, in die EU zu gelangen. Die beiden spanischen Exklaven sind die einzigen Landgrenzen, die Europa mit Afrika hat.

Die Grenzanlage in Ceuta besteht aus zwei acht Kilometer langen und sechs Meter hohen Zäunen. Dazwischen erschwert ein Netz aus Stahlkabeln das Vorankommen. Dutzende Infrarotkameras überwachen die Anlage. Beim Versuch, das Bollwerk zu überwinden, riskieren Flüchtlinge immer wieder ihr Leben und ziehen sich Verletzungen zu.

SPAIN-MOROCCO-IMMIGRATIONFoto: APA/AFP/ANTONIO SEMPERE

Anfang Dezember war es 400 Migranten gelungen, auf das Gebiet von Ceuta vorzudringen. Am Neujahrstag versuchten erneut mehr als tausend Menschen, über den Absperrzaun zu gelangen, sie wurden aber von den Sicherheitskräften zurückgedrängt. Menschenrechtsorganisationen fordern regelmäßig von der UNO und der EU, Druck auf Spanien auszuüben, damit Flüchtlinge einen Asylantrag stellen können.

Im vergangenen Jahr haben nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) bis Ende September mehr als 10.000 Menschen Spanien von Marokko aus erreicht. Dennoch entwickelt sich Marokko in den vergangenen Jahren von einem Transitland hin zu einem Ort, an dem immer mehr Flüchtlinge auch längerfristig bleiben. Im Dezember 2016 startete das Königreich erneut eine Kampagne, die es illegalen Flüchtlingen ermöglichen soll, ihren Status legalisieren zu lassen.

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Feb 21

Waiblingen Asylunterkunft: Putzplan stößt auf Widerstand


Doreen Jensen, Teamleiterin Sozialdienst und Ehrenamtskoordinatorin, Flüchtlingskoordinator Melih Göksu und Caritas-Fachleiterin Ellen Eichhorn-Wenz.Foto: Büttner / ZVW

Waiblingen. Mehr als 60 Asylbewerberheime gibt es im Kreis. Als eines der schwierigsten gilt das Heim am Inneren Weidach. Ehrenamtliche klagten über Kakerlaken, Schmutz und bauliche Mängel. Dann übernahm die Caritas die Sozialarbeit und kündigte grundlegende Veränderungen an. Jetzt sagt Caritas-Frau Ellen Eichhorn-Wenz: „Wir haben es unterschätzt. Wir müssen uns mit kleinen Schritten zufriedengeben.“

Um die verwahrlosten Container in Schuss zu bringen, wurde im Oktober ein Reinigungsunternehmen mit einer Grundreinigung beauftragt. Anschließend sollte ein Putzplan dafür sorgen, dass die Bewohner ihre Zimmer, Duschen und Toiletten selbst sauber halten. Ein Vierteljahr später zeigt sich nun: Trist, dreckig und trostlos ist es nach wie vor im Heim am Inneren Weidach. „Der Putzplan stieß auf Widerstand“, begründet Ellen Eichhorn-Wenz den frustrierenden Zustand. Seit August 2016 können Flüchtlinge zum Putzen verpflichtet werden. Asylbewerber, die sich partout unwillig zeigen, kann um bis zu 20 Prozent das Taschengeld gekürzt werden. Doch auch unter Androhung von Sanktionen weigere sich ein Teil der Bewohner, sauber zu machen. „Sie sagen, sie seien nicht für den Dreck der Gemeinschaftsfläche zuständig.“ Eine große Aufgabe sei es, den Putzplan zu erstellen und jeden Tag nachzuhaken, bestätigt auch Sozialarbeiter James Keath. In einem Viertel der Unterkunft laufe es sehr gut, in den anderen drei Vierteln bisher gar nicht. Warum nicht? „Wir haben hier viele Einzelkämpfer“, sagt Keath.

„Wir haben es alle unterschätzt“

Dass es so schwer werden würde, das Heim in einen annehmbaren Zustand zu bringen, erstaunt auch die Leute von der Caritas. „Wir haben es alle unterschätzt“, sagt Eichhorn-Wenz. „Was wir an Energie reinhängen, ist unglaublich.“ Von Anfang an sei es in dieser Unterkunft schlecht gelaufen, in keinem anderen Heim gehe es zu wie am Inneren Weidach. Bis vor kurzem war das Heim voll belegt, jetzt leben noch 56 Männer in den Containern. Mit mehr als 90 Bewohnern waren der Druck und der Stress enorm, nun sind die meisten der 14 Quadratmeter großen Zimmer nur noch mit zwei Personen belegt. „Damit wollten wir Entspannung schaffen“, sagt Melih Göksu, Ehrenamtskoordinator im Amt für Besondere Hilfen und Flüchtlinge beim Kreis.

Wöchentliche Durchgänge von einem Sozialarbeiter

Reibereien gab es auch mit dem Kreis, der für die bauliche Unterhaltung der Container zuständig ist. „Mitunter hat die Instandsetzung lang gedauert“, sagt Ellen Eichhorn-Wenz. Inzwischen gibt es wöchentliche Durchgänge, bei denen der Sozialarbeiter festhält, was repariert werden muss. Nicht alles werde sofort erledigt: „Wenn etwas gerade erst instand gesetzt worden ist, müssen die Bewohner warten.“ Ein guter Modus sei für die Benutzung der Waschmaschinen gefunden worden: Der Raum ist verschlossen, wer waschen will, holt sich den Schlüssel bei der Security.

Nähe zum Bahnhof begünstigten den Drogenhandel

Die üblen Zustände in der Flüchtlingsunterkunft haben die ehrenamtlichen Helfer immer wieder angeprangert. Das Gebäude ist eine der ältesten Asylbewerber-Einrichtungen im Rems-Murr-Kreis und war immer vor allem von alleinstehenden Männern bewohnt. Die Nähe zum Bahnhof und zwei Ein- und Ausgangstüren begünstigten den Drogenhandel im Heim. Als die Caritas die Sozialarbeit übernahm, kündigte Fachleiterin Ellen Eichhorn-Wenz nicht nur einen Neustart in Sachen Sauberkeit, sondern auch Sicherheit an. Eingestellt wurden damals zwei Security-Männer, die rund um die Uhr dafür sorgen sollen, dass niemand im Heim übernachtet, der da nicht hingehört. Zum selben Zweck wurde jüngst auch ein Zaun aufgestellt, der laut Flüchtlingskoordinator Göksu von der Polizei empfohlen wurde. Abgeschlossen wird das Gebäude nie, die Sicherheitsleute hätten jetzt aber einen Überblick darüber, wer kommt und geht. Völlig unmöglich finden manche Helfer den Zaun. Sie kritisieren, dass sich die Bewohner – den Zäunen und Gefängnissen ihrer Herkunftsländer entronnen – dahinter sehr unwohl fühlten. Dem hält Melih Göksu entgegen, dass sich Bewohner über die Fremden im Heim selbst beschwert und den Zaun gewünscht hätten.

Man müsse sich mit kleinen Schritten zufriedengeben

So liegt am Inneren Weidach nicht nur die Sauberkeit im Argen, gewaltig knirscht es auch zwischen haupt- und ehrenamtlichen Helfern. Für eine gute Unterkunft brauche es die Zusammenarbeit von allen, meint Ellen Eichhorn-Wenz. Alle müssten an einem Strang ziehen. Mit der Unsauberkeit will sie sich auch weiterhin nicht abfinden: „Wir wollen anständige Verhältnisse.“ Immerhin funktioniere aber schon mal der Waschplan. Man müsse sich mit kleinen Schritten zufriedengeben. „Der große Wurf gelingt uns nicht. Das habe ich mir abgeschminkt.“

 

Nur noch Männer

Die Unterkunft am Inneren Weidach ist eine der ältesten Asylbewerber-Einrichtungen im Kreis. Bewohnt wird sie nur noch von alleinstehenden Männern.

Die Bewohner stammen derzeit aus Kamerun, Gambia, Syrien, Algerien, Sri Lanka, Irak, Iran und Pakistan.

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Feb 21

Juso-Chefin „Wir sind für ein globales Recht auf Migration“


Juso-Chefin Johanna Uekermann spricht sich gegen Abschiebungen von Migranten ohne Bleibeperspektive aus.

  • „Für uns braucht jeder Mensch eine individuelle Prüfung seines Asylrechts“, sagte Uekermann der „Welt“.
  • „Mir wäre es lieber, wenn alle bleiben könnten. Die Jusos sind für ein globales Recht auf Migration.“

Die Bundesvorsitzende der Jungsozialisten (Jusos) in der SPD, Johanna Uekermann, hat sich gegen Abschiebungen von Migranten ohne Bleibeperspektive ausgesprochen. Mit Blick auf SPD-Forderungen, solche Ausländer konsequent abzuschieben, sagte Uekermann im Interview der „Welt“: „Mir wäre es lieber, wenn alle bleiben könnten. Die Jusos sind für ein globales Recht auf Migration.“

Uekermann sagte: „Für uns braucht jeder Mensch eine individuelle Prüfung seines Asylrechts, deswegen lehnen wir das Konzept der sicheren Herkunftsstaaten ab.“ Die Jusos seien auch dagegen, gut integrierte Menschen abzuschieben, „also gerade junge Leute, die eine Berufsausbildung machen, oder solche, die hier schon sieben, acht Jahre in die Schule gegangen sind“.

Darüber hinaus lehnte Uekermann den SPD-Entwurf für ein Einwanderungsgesetz ab: „Wir wollen keine Selektion nach rein wirtschaftlichen Faktoren, wie es der aktuelle Entwurf vorsieht. Damit werden auch massiv Frauen benachteiligt, weil sie in ihren Heimatländern seltener Zugang zu Bildung hatten und deswegen wirtschaftlich für Deutschland nicht interessant sind.“

Außerdem wollen die Jusos Menschen aus “schwierigen Herkunftsländern“ eine zusätzliche Chance auf Einwanderung geben: Man sei dafür, „dass man zumindest eine Art Greencard-Lotterie einführt, also einen Teil der Plätze verlost, um solchen Leuten eine Chance zu geben, die sonst keine hätten. Auch damit ließe sich Druck aus dem Asylsystem nehmen.“

Zugleich forderte Uekermann gesetzliche Regelungen für den Fall, dass Migranten wieder in ihr Heimatland zurückwollen. „Uns ist allen geholfen, wenn es in den Herkunftsländern auch einen „Brain-Gain“ gibt“, sagte Uekermann. „Um das hinzukriegen, brauchen wir zum Beispiel eine weltweite Portabilität von Rentenansprüchen. Wer nach längerer Arbeit in Deutschland seinen Lebensabend in der Heimat verbringen möchte, darf solche Ansprüche nicht verlieren.“ Dann könnten Migranten ihr Wissen weitergeben und die Herkunftsgesellschaften davon profitieren.

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