Jun 06

EU-Beschluss abgelehnt: Tschechien lässt keine Flüchtlinge mehr ins Land

Diese Menschen aus dem Nordirak gehören zu den wenigen Flüchtlingen, die in Tschechien aufgenommen wurden. (picture-alliance/ dpa/ CTK Photo/ Katerina Sulova)

Die Regierung in Tschechien hat das Programm zur Verteilung der Flüchtlinge innerhalb der Europäischen Union offiziell abgelehnt.

Nach Angaben von Innenminister Chovanec entschied das Kabinett, bis zum Auslaufen des Programms im September keine Flüchtlinge mehr ins Land zu lassen. Nach dem Verteilerschlüssel hätte Prag fast 2.700 Menschen aufnehmen müssen, bislang wurde aber nur einem Dutzend Zuflucht gewährt. Chovanec begründete die Weigerung mit der gespannten Sicherheitslage. Außerdem funktioniere der Verteilerschlüssel ohnehin nicht, meinte er. Die EU-Kommission hat mehreren Staaten wie Tschechien, Ungarn, Polen und Österreich mit einem Verfahren gedroht, wenn sie sich nicht an die Beschlüsse halten.

Quelle DLF

Jun 05

„Verletzung des Ramadan“: Flüchtlinge rasten in Dresdner Asylheim aus

An der Strehlener Straße kam es zu heftigen Auseinandersetzungen in einem Asylheim. (Symbolbild)

Dresden – Am späten Sonntagabend ist es zu heftigen Auseinandersetzungen in einer Dresdner Asylunterkunft gekommen. Als das Sicherheitspersonal die Bewohner auf ein Kochverbot hinwies, drehten sie durch.

Zuvor war gegen 21.05 Uhr der Brandmelder im 4. Stock der Gemeinschaftsunterkunft losgegangen. Die Security stellte fest, dass die Bewohner trotz Verbots Kochgeräte in ihrem Zimmer benutzten.

Als die Sicherheitsmitarbeiter die Bewohner daraufhin wiesen, wurden sie laut einer Mitteilung der Polizei wegen „Verletzung des Ramadan“ massiv angegriffen und mit Glasbehältern sowie Feuerlöschern beworfen. Die Security des Gebäudes zog sich zunächst zurück und verständigte die Polizei. Die löste Großeinsatz aus und raste mit 14 Streifenwagen und insgesamt 28 Beamten zur Strehlener Straße.

Nachdem sich das Sicherheitspersonal zurückgezogen hatte, drehten die Asylbewerber komplett durch, verwüsteten das Zimmer bis zur Unbewohnbarkeit. Sie rissen Fenster samt Rahmen heraus, zerstörten Türen und Steckdosen und warfen Scheiben ein.

Der Sachschaden beträgt rund 3000 Euro. Insgesamt waren sieben Marokkaner und zwei Tunesier an der Auseinandersetzung beteiligt, der 43 Jahre alte Haupttäter wurde in Gewahrsam genommen. Die anderen Bewohner wurden auf andere Asylheime in der Stadt aufgeteilt.

Sechs Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes wurden leicht verletzt. Die Polizei hat die Ermittlungen wegen Körperverletzung, gefährlicher Körperverletzung und gemeinschädlicher Sachbeschädigung aufgenommen.

Quelle: Tag24

Jun 05

Asylbewerber tötet Kind in Arnschwang: Täter war verurteiler Schwerverbrecher mit Fußfessel

Der Asylbewerber, der am Samstag in einer Unterkunft in Arnschwang im Landkreis Cham einen fünfjährigen Jungen getötet hat, war ein verurteilter Straftäter. Laut Polizei trug er seit Verbüßung seiner Haftstrafe eine Fußfessel.

Bereits im Oktober 2009 hatte das Landgericht München den 41-Jährigen wegen schwerer Brandstiftung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahre und zehn Monaten verurteilt. Bis Januar 2015 saß er in Haft. Nach seiner Haftentlassung wohnte er im Asylbewerberheim in Arnschwang.

„Er wurde durch gerichtlichen Beschluss zur Führungsaufsicht angewiesen, sich im räumlichen Umfeld der ihm zugewiesenen Asylunterkunft aufzuhalten. Um diese Aufenthaltsbeschränkung zu überwachen, trug er ein elektronisches Gerät zur Ortung (elektronische Fußfessel).“

Polizei

Tödliche Schnittverletzungen

Bei einer Bahnfahrt im Februar 2016 wurde der Mann beim Schwarzfahren erwischt. Eine Geldstrafe wurde verhängt.

Der Afghane hatte am Samstagnachmittag eine 47-jährige russische Mutter und ihre zwei Söhne in seine Gewalt gebracht. Einem der beiden, einem fünfjährigen Jungen, fügte er tödliche Schnittverletzungen zu. Das bestätigte inzwischen auch die Obduktion. Das zweite, sechsjährige Kind blieb unverletzt, erlitt aber einen Schock.

Schuss in die Brust

Auch die Mutter der beiden Kinder wurde verletzt und konnte bislang nicht befragt werden. Daher ist noch unklar, in welchem Verhältnis sie zu dem Mann stand und wie es zu der Auseinandersetzung kam. Die herbeigerufene Polizei gab acht Schüsse auf den Mann ab, er starb bei dem Einsatz durch einen Schuss in die Brust.

Die Kriminalpolizeiinspektion Regensburg, das Bayerische Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft Regensburg ermitteln weiter zu den Hintergründen. Was den Schuss aus der Polizeiwaffe betrifft, geht die Staatsanwaltschaft derzeit von einer Nothilfesituation für die Polizeibeamten aus. Die Ermittlungen wegen des polizeilichen Schusswaffengebrauchs führt im Auftrag der Staatsanwaltschaft das Bayerische Landeskriminalamt.

Quelle: BR

Jun 05

„Schließen Sie nachts Türen und Fenster“: Botschaft warnt vor Deutschland

Glaubt man der chinesischen Botschaft, hat es in Deutschland eine „große Veränderung“ der Sicherheitslage gegeben. In einer deutlichen Warnung rät sie ihren Landsleuten davon ab, sich nachts alleine auf die Straße zu begeben.

Chinesen in Deutschland sollen nachts nicht mehr allein auf die Straße gehen. Die Pekinger Botschaft in Berlin warnt ihre Bürger in einem drastisch formulierten „Sicherheitshinweis“ vor den hiesigen Gefahren. Bei der Sicherheitslage habe es eine „große Veränderung“ gegeben, heißt es in dem Hinweis, den die Botschaft Ende Dezember auf ihrer Internetpräsenz veröffentlicht hat und der auch in chinesischsprachigen Zeitungen verbreitet wurde. Im vergangenen Jahr wurden mehrere Chinesen Opfer brutaler Gewalttaten in Deutschland.
„Vermeiden Sie nach Möglichkeit, nachts allein auf die Straße zu gehen oder sich an abgelegene Plätze zu begeben“, heißt es in dem Text. „Bei der Rückkehr nach Hause versichern Sie sich, ob Ihnen jemand gefolgt ist. Nach dem Eintreten achten Sie darauf, Türen und Fenster geschlossen zu halten, öffnen Sie Fremden nicht leichtfertig die Tür.“

Touristen sollen auf „ungewöhnliche Phänomene“ achten

Nach dem Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt am 19. Dezember sind Chinesen angehalten, auf „ungewöhnliche Phänomene“ zu achten – unter anderem auf Menschen, die „dem Anschein nach Schusswaffen oder Sprengstoff mit sich führen“. Eine deutsche Version hat die Botschaft nicht publiziert, eine Anfrage zu dem Sicherheitshinweis beantwortete die Presseabteilung nicht.
2016 hatten neben dem Berliner Anschlag mehrere weitere Bluttaten in Deutschland Aufsehen in China ausgelöst. Ein islamistischer Attentäter hatte im Juli eine Familie aus Hongkong mit einer Axt schwerst verletzt. Im Mai wurde eine chinesische Architekturstudentin in Dessau Opfer eines Sexualmords. In Bochum wurden zwei chinesische Studentinnen von einem irakischen Flüchtling überfallen.

Jun 05

Horror im Schwimmbad: Junge (9) mit Pistole bedroht


 Eine Familie wurde im Schwimmbad in Bornheim im Umkleidebereich belästigt (Symbolbild), colourbox.de

Mehrere junge Männer sollen im Umkleidebereich eine 46-jährige Frau und deren Tochter (12) belästigt haben. Schlimmer noch: Den neunjährigen Sohn, der sich in der Herrenumkleide umzog, soll die Bande mit einer Schusswaffe bedroht haben.

Bereits zuvor – in der Zeit zwischen 19 und 20.30 Uhr – sollen die Verdächtigen im Freibadbereich der Anlage weitere Gäste angepöbelt haben. Zudem fielen sie durch ihr lautes Auftreten unangenehm auf, so die Polizei.

Vater wollte Gang zur Rede stellen

Nach der Attacke auf die Mutter und ihre beiden Kinder stellte der inzwischen eingetroffene Vater sieben junge Männer vor dem Bad zur Rede. Darauf reagierten sie nicht. Das Paar erstattete unverzüglich Anzeige bei der Bornheimer Polizei.

Haupttäter trug Käppi und Gold-Uhr

Im Rahmen der Ermittlungen konnten bislang keine Tatbeteiligten identifiziert werden. Durch Befragungen der Familienmitglieder und der Mitarbeiter des Bades werden jedoch drei Verdächtige wie folgt beschrieben:

* Der Haupttäter soll Anfang 20, 175 Zentimeter groß und sportlich-schlank sein. Er trug kurzes, schwarzes, leicht lockiges Haar, dazu einen Dreitagebart und hatte einen dunklen Teint. Er sprach akzentfreies Deutsch, trug ein weißes ärmelloses T-Shirt mit dunklen Shorts sowie ein blaues Käppi und eine goldene Uhr.

* Die weiteren Täter werden als kräftig bis dicklich beschrieben. Einer ist zirka 175 Zentimeter, der weitere 185 Zentimeter groß. Ein Mittäter trug ebenfalls einen Dreitagebart, der größere Mann einen schwarzen Ziegenbart. Zeugen, die Montagabend Verdächtiges beobachtet haben oder Hinweise zu den Tatverdächtigen geben können, rufen bitte das Kommissariat 37 unter 02 28/1 50 an.

Quelle: Focus

Jun 05

Am S-Bahnhof: 13-Jährige am Jungfernstieg vergewaltigt

An der S-Bahnstation Jungfernstieg zerrte der Mann das Mädchen in einen leerstehenden Raum.
Foto: Quandt

Verbrechen am S-Bahnhof Jungfernstieg: Ein Mann (37) soll ein 13-jähriges Mädchen in einen leerstehenden Raum gezerrt, sie zu Boden gedrückt und vergewaltigt haben. Am kommenden Donnerstag beginnt vor dem Landgericht der Prozess gegen den mutmaßlichen Sex-Täter.

Laut Anklage soll der Mann aus dem Irak die 13-Jährige in der Nacht zum 6. November 2016 auf dem Bahnsteig von hinten gepackt haben. Er soll das Mädchen, das mit einer Gruppe von Freunden unterwegs war, zuvor bereits auf dem Rathausmarkt angesprochen und nach ihrem Alter gefragt haben.

Das Mädchen schilderte später der Polizei, wie es sich gewehrt hat, den Vergewaltiger schließlich von sich stoßen und flüchten konnte.

Nach der Vergewaltigung soll der Mann untergetaucht sein. Er konnte nach internationaler Fahndung in Ungarn festgenommen werden und wurde im März 2017 nach Deutschland ausgeliefert.Der Jungfernstieg wurde im vergangenen Jahr zum Schauplatz unzähliger Straftaten, Schlägereien, Drogenhandel, Diebstähle. Inzwischen sollen provisorische Flutlichtanlagen für mehr Sicherheit sorgen. Die Verkehrsbehörde erstellt derzeit ein Bodengutachten, um geeignete Standorte für dauerhafte Lichtmasten am Jungfernstieg zu finden.

Quelle: Hamburger Morgenpost

Jun 05

Mit Ramme durch die Tür: Polizei fasst Sex-Täter

Polizisten führen den Tatverdächtigen an der Zeidlerstraße in Wilhelmsburg ab. Der 24-Jährige sitzt jetzt in U-Haft., Foto: Roeer

Wilhelmsburg – Donnerstagabend hat die Polizei einen gesuchten mutmaßlichen  Sexual-Täter festgenommen.

Gegen 22 Uhr griffen das Mobile Einsatzkommando (MEK) und Zivilfahnder an der Zeidlerstraße in Wilhelmsburg zu.

Mit einer Ramme schlugen sie die Tür der Dachgeschosswohnung ein, holten einen 24-Jährigen aus dem Mehrfamilienhaus.

Nach MOPO-Informationen wird der Festgenommene verdächtigt, eine Person vergewaltigt zu haben.

Zu den Hintergründen ist bisher nichts bekannt. Der 24-Jährige kam nach seiner Festnahme in U-Haft.

Quelle: Hamburger Morgenpost

Jun 05

Werden Flüchtlinge bald zur Kasse gebeten?

Das System besitzt zwei Gebührenstufen, wobei die Höchste mit 620 Euro pro Person und Monat zu Buche schlägt. (Bildmontage)

Oranienburg – 20 Euro am Tag pro Person sollen Flüchtlinge künftig für ihre Unterbringung bezahlen. Der Kreistag in Oberhavel hat dies nun beschlossen, wie rbb berichtete.

Bisher kommt der Landkreis für die Kosten eines Zimmers in einer entsprechenden Unterkunft auf und erhält dafür Zuschüsse. Durch die neu beschlossene Satzung werden aber bald arbeitende Flüchtlinge zur Kasse gebeten.

Eine sogenannte „Nutzungsgebühr“ sollen dann diejenigen zahlen, die über Einkommen verfügen. Gebührenpflichtig sind vor allem Personen, über deren Asylantrag noch nicht entschieden wurde, zur Ausreise verpflichtet sind oder einen humanitären Aufenthalt genießen sowie Kontinent-Flüchtling sind.

Für ein Ehepaar würden so Kosten in Höhe von 1240 Euro anfallen.

Mit der Abfuhr dieser Gebühr sollen laut Ronny Wappler (Kreisverwaltung Oberhavel) bestimmte Fixkosten, wie Wachschutz, Sozialarbeit, Gemeinschaftsräume oder Küchen finanziert werden.

Sicherlich sind „normale“ Wohnungen günstiger, aber vor allem für anerkannte Flüchtlinge schwierig zu bekommen, wie Annegret Ortet von der Initiative „Willkommen in Birkenwerder“ gegenüber rbb sagte.

Auch wenn die Kritiker im Kreistag die Minderheit bildeten, so sind die Argument durchaus berechtigt. „Für die Höhe der Gebühr ist es nicht in Ordnung, wenn ich ein Bett bekomme was letztendlich maximal Jugendherberg-Standard hat und dafür 620 Euro bezahlen müsste. Dies würde jede Initiative eines Geflüchteten der Arbeit annimmt im Keim ersticken, wenn er solche Summen zahlen müsste“, so Grüne-Politiker Thomas von Gizycki.

Noch ist der Beschluss nicht inkraft. Das Sozialministerium muss diesen erst noch absegnen.

Viel haben die Asylbewerber nicht zum Leben und dafür sollen sie bald zahlen: für ein Bett und mehr nicht. (Symbolbild)
Viel haben die Asylbewerber nicht zum Leben und dafür sollen sie bald zahlen: für ein Bett und mehr nicht. (Symbolbild)

Quelle: Tag 24

Jun 04

Obdachlose Arbeitsmigranten – Ausgrenzen oder integrieren?

© Wolfgang Eilmes, Jahrelang war das Gelände Menschen ein Zuhause, ohne Wasser, ohne Strom. Vor einem Vierteljahr war Schluss.

Das Roma-Lager im Frankfurter Gutleutviertel wurde geräumt. Wie man mit obdachlosen Arbeitsmigranten aus Osteuropa künftig umgehen soll, ist umstritten. Ein Runder Tisch in Frankfurt soll die konträren Positionen zusammenführen.

Das Schiebetor, durch das man auf das ehemalige Fabrikgelände Gutleutstraße 332 kommt, ist verschlossen. Eine eiserne Kette soll dafür sorgen, dass kein Unbefugter mehr darauf gelangt. Mitten auf dem Grundstück ist noch ein schrottreifer, mit Graffiti besprühter weißer Lieferwagen, in unmittelbarer Nähe stehen sich zwei blaue Dixi-Toilettenhäuschen gegenüber. Ansonsten ist das Gelände leer und verlassen.

Nur der Müll liegt noch überall herum. Gesammelt wurde er von Leuten, die bis vor wenigen Wochen noch auf diesem Grundstück wohnten und zum Teil von diesem Müll lebten. Von Pfandflaschen. Von Gerümpel, für das sie auf Flohmärkten Käufer zu finden hofften. Jahrelang lebten auf dem alten Fabrikgelände an der Gutleutstraße Menschen aus Osteuropa, viele davon Roma aus Rumänien oder Bulgarien.

Kein Anspruch auf Leistungen

Sie bauten sich Verschläge im Hohlraum unter einer Laderampe ein, später errichteten sie kleine Hütten aus Sperrholz. In denen lebten sie unbehelligt, der Besitzer des Grundstücks kümmerte sich nicht darum, er saß in Italien im Gefängnis. Die Grundstücksbesetzer lebten in menschenunwürdigen Verhältnissen, ohne Toiletten, ohne Strom und ohne fließendes Wasser. Die Stadt Frankfurt ließ sie gewähren. Da es sich um Privatbesitz handelte, gebe es keine Handlungsmöglichkeit, hieß es.

Bis Ende Februar auf einmal die Bagger anrückten und die Hütten in wenigen Minuten dem Erdboden gleichmachten. Einige hatten gebrannt, Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) sah auf einmal Gefahr im Verzug – und handelte. Ohne jede Absprache mit seinen Dezernatskollegen, von denen einige, zurückhaltend ausgedrückt, nicht glücklich waren.

Seitdem ist das Gelände verlassen. Zwischen 40 und 50 Menschen lebten zeitweise auf der Brache. Wo sind sie jetzt? Die Antwort auf diese Frage ist allenthalben Achselzucken. Nach Angaben des Sozialdezernats nahmen elf  Personen die Rückkehrhilfe der Stadt in ihr Heimatland und ein Verzehrgeld von 20 Euro an, sieben sollen auf eigene Faust ausgereist sein. Laut Sozialamt wurden auch ehemalige Bewohner der Brache vereinzelt in der Stadt gesehen. An deren Situation hat sich nichts geändert. Anspruch auf Leistungen haben sie nicht. Das wurde nach der Räumung des Lagers und der vorübergehenden Unterbringung der Menschen in Unterkünften laut Sozialdezernat in 37 Fällen überprüft – in 34 davon gab es einen Ablehnungsbescheid.

Eier aus umliegenden Häusern

Das Lager im Gutleutviertel wurde geräumt. Ungelöst ist das Problem, dass viele Arbeitsmigranten mit geringer Bildung aus Osteuropa nach Frankfurt kommen. Die auf dem Arbeitsmarkt so gut wie keine Chance haben. Die aber irgendwo bleiben müssen.

Insbesondere die Roma erwiesen sich diesbezüglich in der Vergangenheit als wenig zimperlich. Sie richteten sich auf der Gutleutstraße 332 ein – oder unter freiem Himmel. Noch kein Jahr ist es her, dass wochenlang eine Gruppe von bis zu 50 Personen an der Weißfrauenkirche in der Innenstadt lagerte, wohlwollend geduldet von der Diakonie. Nach einigen Wochen flogen zunächst Eier aus den umliegenden Häusern auf die Roma, dann fielen in einem Gespräch zwischen Hauseigentümer, Diakonie, Ordnungs- und Sozialdezernat deutliche Worte, und schließlich wurde geräumt.

Schnell wieder abgebaut

Wo die Matratzen lagen, steht heute ein Bauzaun. Ein Bauzaun steht mittlerweile auch rund um das „Nizza“, den mediterranen Garten am nördlichen Mainufer. Laut Grünflächenamt hatten dort in jüngster Zeit wohnungslose Osteuropäer genächtigt und in der Anlage auch ihre Notdurft verrichtet.

Der Bauzaun ist ein Gegenstand, der darüber, wie in Frankfurt mit dieser Gruppe Obdachloser derzeit umgegangen wird, vieles verrät. Er signalisiert einerseits: Ihr seid hier nicht erwünscht. Gleichzeitig ist der Bauzaun, ein Metallgitter, schnell und unkompliziert in einen Betonsockel gesteckt, ein Provisorium, das schnell wieder abgebaut werden kann.

„Attraktivität senken“

Ausschließen oder einbeziehen, Hand reichen oder abweisen, das ist eine Grundsatzdebatte in der Stadt. Beraten wird sie nicht öffentlich, am Runden Tisch Roma. „Dort versuchen wir, verschiedene Sichtweisen zusammenzubekommen“, sagt Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU). Seine Sichtweise fasst er so zusammen: „In unserer Stadt haben wir uns Werte und Regeln gegeben, und unsere Aufgabe ist es, diese durchzusetzen.“ Diese Regeln gälten für alle. Wer sie nicht beachte, müsse die Konsequenzen tragen. Die Erfahrung, unter anderem die unlängst am „Nizza“ gemachte, zeige, dass jene, nach denen der runde Tisch benannt sei, sich oft nicht an die Regeln hielten. „Wo es Regelverstöße gibt, werden sie geahndet, Menschen in Not erhalten Hilfe“, sagt Frank.

Weiteres Entgegenkommen, weitere Angebote und Hilfe hält er für nicht angebracht. Das würde sich lediglich herumsprechen und für weiteren Zulauf sorgen. So werden seine Mitarbeiter weiterhin morgens die Roma am Mainufer wecken und fortschicken, sie „mobilisieren“, wie Frank es nennt. Ungemütlich solle es für die sein. „Ärger minimieren, die Menschen mobilisieren, Attraktivität senken, das klingt hart, ist aber nötig“, meint Frank.

Solange sie nicht stören

Am Runden Tisch sitzt auch Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (ebenfalls CDU). Ihre Position erläuterte sie unter anderem, als sie vor wenigen Wochen bei der Multinationalen Informations- und Anlaufstelle für Bürger der Europäischen Union Bilanz zog. Dieses Büro für EU-Angehörige, die in Not geraten sind, gibt es in Frankfurt seit einem Jahr. Das „Kernproblem“ ist für Birkenfeld die Freizügigkeitsregelung der Europäischen Union.

Die sei gut gemeint. Aber es sei für die gering Qualifizierten schwierig, auf dem anspruchsvollen Frankfurter Arbeitsmarkt fündig zu werden. In dem Gespräch verwies Birkenfeld auf die Rechtslage: EU-Bürger, die nicht oder noch nicht lange genug sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren, haben erst nach einem ununterbrochenen Aufenthalt von fünf Jahren in Deutschland Anspruch auf Sozialhilfe.

Und für die Leute, Menschen, deren Schicksal am runden Tisch verhandelt wird, gelte das nun mal in der Regel nicht. „Ich halte mich an das Gesetz“, sagt Birkenfeld, die gleichzeitig dafür plädiert, den in Not geratenen Menschen mit Toleranz zu begegnen und ihnen humanitäre Hilfe zu gewähren. Solange sie die öffentliche Ordnung nicht stören. Darüber hinaus sollten keine weiteren Angebote gemacht werden. So zumindest die offizielle Sprachregelung. „Wir können hier in Frankfurt nicht mit selbstgemachten Sonderregelungen eines der zentralen europäischen Probleme lösen. Daran würden wir uns verheben.“

„Menschen mit großen Herzen“

Das sieht Sylvia Weber (SPD), Dezernentin für Bildung und Integration, anders. Sie hält es für falsch, die Armut aus der Stadt „zu verdrängen“. Ihr Dezernat erarbeitet ein Konzept für den Umgang mit der Situation. Mitarbeiter des Amtes für multikulturelle Angelegenheiten sehen sich zurzeit unter anderem Wohnprojekte in anderen Kommunen an.

Webers Ziel ist es unter anderem, den Osteuropäern Angebote zur Unterbringung und Integration zu machen. Auch Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) hält es für „spannend“, sich Wohnprojekte in anderen Kommunen anzuschauen, und plädiert gleichzeitig dafür, Roma nicht zu diskriminieren, indem man sie anders behandelt als andere Obdachlose.

Wie schwierig es sein muss, diese Positionen zusammenzubringen, lässt das Gespräch mit dem Ordnungsdezernenten erahnen, der süffisant von „Menschen mit großen Herzen“ spricht. Von einem Wohnhaus eigens für Osteuropäer oder Roma hält er nichts. „Das ist nicht mit der Realität vereinbar“, sagt Frank. Und: „Wir müssen alle gleich behandeln.“ Und Birkenfeld hält es für „zutiefst undemokratisch, willkürlich zu entscheiden, wer nun Hilfe bekommt und wer nicht“.

Der Dialog blieb aus

Die Multinationale Informations- und Anlaufstelle für EU-Bürger, bei deren Bilanzgespräch Birkenfeld ihre Position erörterte, ist nicht zuletzt auch eingerichtet worden, um die klassische Sozialarbeit in der Stadt von dieser Klientel zu entlasten und den speziellen Bedürfnissen auch der Menschen aus Osteuropa gerecht zu werden. Die vier Nationalitäten, die in der Statistik des Büros am häufigsten genannt werden, sind Bulgarien, Rumänien, Spanien und Polen. Rund 40 000 Menschen mit den entsprechenden Staatsangehörigkeiten sind in Frankfurt mit Hauptwohnsitz gemeldet, 3000 von ihnen sind arbeitssuchend, 861 haben laut dem Büro angegeben, wohnungslos zu sein.

Viele dieser Menschen, darunter zahlreiche Roma aus Bulgarien oder Rumänien, nahmen in der Vergangenheit unter anderem auch die Angebote der Diakonie wahr und lebten bis zur Räumung des Platzes rund um die Weißfrauenkirche. Als in der Kirche vor wenigen Wochen bei einer Pressekonferenz bekanntgegeben wurde, dass die Winterspeisung für Obdachlose abgeschafft wird, die dort 30 Jahre lang angeboten wurde, konnte man bei genauerem Hinhören als Begründung zwischen den Klagen über die Überforderung auch eine gewisse Ernüchterung über den Umgang mit dieser Klientel heraushören.

Die Speisung, eigentlich ein Angebot, um mit Obdachlosen ins Gespräch zu kommen, wurde als unentgeltliches Angebot von den Osteuropäern gerne genutzt – der Dialog blieb aus. „Die Nationalitäten kommen nicht mehr miteinander ins Gespräch“, berichtete damals Karin Kühn, Arbeitsbereichsleiterin Diakonische Dienste. „Es wird nur noch Rumänisch gesprochen, da kommt die klassische Sozialarbeit an ihre Grenzen“, sagte Michael Frase, Leiter des Diakonischen Werks Frankfurt.

Angebote stärken Zulauf

Die Abgeschlossenheit vieler Roma-Gruppen, die Tatsache, dass sie oft nicht zugänglich sind und nach eigenen Regeln leben: Diese und ähnliche Erfahrungen lassen auch verständnisvolle Beobachter und gute Kenner der Szene skeptisch fragen, ob ein Wohnraumangebot eigens für Roma der richtige Ansatz ist. „Und dann?“, fragt zum Beispiel Christine Heinrichs, Bereichsleiterin im Frankfurter Verein für soziale Heimstätten. Dann habe man ein Haus voller Menschen ohne Arbeit. Solle man denen beim Flaschensammeln zugucken?, so ihre polemische Frage. Wen nimmt man auf? Wen nicht mehr?

Wer in Deutschland selbständig Fuß fassen könne, benötige so ein Haus nicht, wer es benötige, sei weit weg davon, hier Fuß fassen zu können. Auch Heinrichs meint, dass derartige Angebote lediglich den Zulauf verstärken würden und das Problem sich verschärfen würde. „Not und Elend der Menschen gehen uns nahe, aber man muss auch realistisch sein: So ein Haus bringt keinem was, wir sind in der Verantwortung, einen Schritt weiterzudenken“, sagt Heinrichs.

Quelle: FAZ

 

Jun 04

Teenagerin aus Berlin verschwand an ihrem 16. Geburtstag

Mit diesem Foto suchen Familie und Ermittler nach der 16-jährigen Amy. Das Mädchen mit der auffälligen Haarfarbe verschwand am 29. Mai, Foto: Privat

Jetzt sucht auch die Polizei nach Amy! Nun schon seit fünf Tagen wird die 16-jährige Amy Gosse Mariano aus Berlin vermisst. Am Morgen ihres Geburtstages verschwand das Mädchen spurlos.

Jetzt sucht die Berliner Polizei mit einem öffentlichen Fahndungsaufruf nach der Teenagerin mit den auffällig gefärbten Haaren.

Amy verließ am 29. Mai gegen 8 Uhr morgens die elterliche Wohnung in der Gneisenaustraße in Berlin-Kreuzberg – angeblich, um zur Schule zu gehen. Dort kam sie jedoch nie an! Und am Nachmittag auch nicht wieder nach Hause.

Die Eltern des Mädchens – Gea (48) und Marcelo (52) sind verzweifelt auf der Suche nach ihrem Kind
Die Eltern des Mädchens – Gea (52) und Marcelo (48) – sind verzweifelt auf der Suche nach ihrem Kind, appellieren an Amy: „Bitte melde dich“, Foto: Timo Beurich

„Wir hatten sie morgens mit einem Geburtstagskuchen geweckt, sie freute sich, pustete die Kerzen aus“, erzählen ihre Mutter Gea (52) und Vater Marcelo (48). 

Erst später entdecken die Eltern, dass Amys Schulrucksack noch zu Hause steht. Sie geben noch am selben Tag eine Vermisstenanzeige bei der Polizei auf. Amys Spur verliert sich am Montagmorgen um 10.30 Uhr an einem Sparkassenautomaten am Berliner Bahnhof Tempelhof, wo sie 40 Euro mit ihrer EC-Karte vom Konto abhebt. Knapp viereinhalb Stunden später ist auch ihr Handy abgeschaltet.

Amy (16) verschwunden
Amy (16) verschwunden

Die Teenagerin mit den kurzen Haaren kam am 29. Mai nicht an ihrer Schule an – und am Nachmittag auch nicht wieder nach Hause, Fotos: Privat

„Bis auf die in dem Alter typischen Teenagerprobleme haben wir eine vertrauliche und liebevolle Beziehung zu unserer Tochter. Amy ist intelligent, hat außer in Physik und Mathe auch keine Probleme in der Schule“, sagte ihr Mutter kurz nach dem Verschwinden von Amy.

Ab und zu hatte ihre Tochter in letzter Zeit allerdings die Schule geschwänzt.

Auch aus dem Freundeskreis haben die Eltern bislang keinen Hinweis, wo das Mädchen sein könnte
Auch aus dem Freundeskreis haben die Eltern bislang keinen Hinweis, wo das Mädchen sein könnte, Foto: Timo Beurich

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